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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Unsere Zahlwörter

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Unsere Zahlwörter kommen aus dem Indoeuropäischen. Wie sie wohl entstanden sind? Hatten unsere Vorfahren auf die Finger gedeutet und die entsprechenden Namen hergesagt, etwa: Daumen, Finger, Finger, Finger, Handvoll? Bei drei Wörtern könnte man es fast glauben:

Penque, fünf scheint mit unserm Finger verwandt, dies wiederum zu fangen, beide Wörter gibt's nur im Germanischen.

Decm, zehn erinnert an griechisch dékhein, englisch take 'nehmen', genauso ähnelt unser zehn den Wörtern Zehe, zeigen und lateinisch digitus, griechisch dáktylos 'Finger'. Die germanische Endung ‑tiga, deutsch -zig ist eine Variante von teh, zeh-n.

Cmtom, hundert könnte mit germanisch hindan 'fangen' und unserem Hand, Hund, eigentlich 'Fänger' zusammenhängen. Das -rt in hundert ist ein Rest von germanisch raþ 'Zahl'.

Bei octoû, nowm, acht, neun können wir erkennen, dass man inzwischen schon zu einem fortschrittlicheren Zählsystem übergegangen war: Man nahm nicht mehr die Finger, sondern machte Zählstriche. Die Ägypter ordneten sie in Viererpäckchen: IIII IIII. Wir machen das noch genauso, nur dass wir bei 5 das Päckchen durchstreichen. Man kann das Zeichen I verstehen als Strich, aber auch als "Spitze". Vier Spitzen bilden einen "Rechen". Zwei Rechen, acht, geben eine "Egge" (walisisch oged). Mit neun begann ein "neuer" Rechen.

Die meisten unserer Zahlwörter aber sind durch Lautvariation abgeleitet aus Funktionswörtern. Das können wir uns deutlich machen an 1, 2, 3, indoeuropäisch ei-n- (ei-k-), duô-, trei-. Da kann man sich doch lebhaft vorstellen, wie jemand die Häupter seiner Lieben zählte: "Ich (egj-), du (tu), der da (te-r)". Anders bei se-k-s, se-p-tm, sechs, sieben: Darin steckt das Pronomen se- mit den Endungen wie in sich, lateinisch sibi.

Quetuor, gotisch fidwor, deutsch vier, könnte entstanden sein aus que-duo-r '(zwei) und zwei'.

Die Germanen hatten ein Zwölfersystem, wie wir heute noch an den eigenen Wörtern elf, zwölf erkennen können, entstanden aus ein-lif, zwe-lif mit der unerklärten Anfügung lif '10'. Die Nordgermanen zählten die Zehnerzahlen entsprechend weiter: neunzig, zehnzig, elfzig, hundert.

Zwölf ist teilbar durch 2,3,4 und 6, daher sind alte Maß-, Münz- und Gewichtssysteme oft auf dieser Basis aufgebaut: 1 Shilling à 12 Pence, 1 Gulden à 60 Kreuzer, 1 Fuß à 12 Zoll, 1 Tag à 24 Stunden à 60 Minuten. Auf der Zwölf beruht auch unsere Zählung mit Stück 1, Paar 2, Dutzend 12, Schock 60, Gros 144 (zu französisch douze 12, grosse douzaine 'Großdutzend'; Schock bedeutet wohl 'Haufen'). Das Zwölfersystem war für die Bedürfnisse des täglichen Lebens gut geeignet, wurde aber zum größten Teil zugunsten des Dezimalbruchs und des metrischen Systems aufgegeben.

   

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Zahlwörter 

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Echo Online

 

Datum: 30.05.2006

Aktuell: 26.03.2016