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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Duden

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Am 22. Juli kommt die 24. Auflage von "Duden – Die deutsche Rechtschreibung" auf den Markt. Darin sind die Änderungen des Rates für deutsche Rechtschreibung berücksichtigt, die am 1. August in Kraft treten sollen.

Die Buchreihe "Duden" hat ihren Namen nach dem "Vater der deutschen Rechtschreibung", Konrad Duden (1829-1911). Der promovierte Altphilologe hat sich als Schuldirektor um das Schulwesen verdient gemacht und einige Verbesserungen eingeführt. Maßgebend bis in unsre Zeit ist aber seine vereinheitlichte Rechtschreibung, als Buch erstmals 1872 in der Schweiz und 1880 im Bibliographischen Institut in Leipzig erschienen. Erst 1901 wurden Dudens Regeln nach langen Verhandlungen durch die 2. Orthographische Konferenz als verbindlich anerkannt.

Warum braucht man denn für alles Vorschriften? Vor 1872 war die Rechtschreibung sehr chaotisch. In den Grundzügen war man sich zwar einig, aber bei Einzelheiten schrieb man in Darmstadt anders als in Berlin oder München, ja es soll vorgekommen sein, dass Schüler bei einem Lehrerwechsel umlernen mussten. Eine einheitliche Regelung war dringend nötig. Schon vor Duden hatte man sich um eine Rechtschreibreform bemüht. Auch Johann Christoph Adelung (ab 1774) und Wilhelm und Jakob Grimm (ab 1854) haben unterschiedliche Regeln für die Orthographie aufgestellt, die sich aber nicht durchsetzten. Um 1860 gab es verschiedene Lehrmeinungen: Eine vertrat eine herkunftsgerechte Schreibung ("Vieh"), eine andere eine lautgerechte ("fi"). Das wesentliche Plus bei Konrad Duden war, dass er Kompromisse vorschlug, auf die man sich einigen konnte, und dass er Rückhalt beim damals mächtigsten deutschen Staat Preußen fand - außer bei Bismarck, der gegen jede Neuerung war.

Trotz dieses Erfolges stritt man sich auch nach 1901 weiter. Nach dem zweiten Weltkrieg suchte man nach klaren Regeln, damit die Schüler weniger Fehler machten. In den 1970er-Jahren meldeten sich die Befürworter einer gemäßigten Kleinschreibung zu Wort, wie sie schon Grimm praktiziert hatte. Später diskutierte man über einige Anpassungen in der Laut-Zeichenzuordnung: Sollte man nicht besser "Keiser" und "Mei" schreiben? All das ist längst wieder vergessen. 1985 teilte mir die Duden-Redaktion brieflich mit: "Zur Zeit gibt es keine konkreten Pläne, die deutsche Orthographie zu reformieren." Zwei Jahre später beschloss die Deutsche Kultusministerkonferenz eine Neuregelung, die 1998 in Kraft trat. In den Schulen wurden zwar die neuen Regeln gelehrt, aber bis vor einem Jahr wurde die alte Schreibung nicht als Fehler angestrichen. Wegen heftiger Kritik an der Reform musste eine Revision vorgenommen werden. Damit ist hoffentlich der Rechtschreibfriede wieder hergestellt.

   

 

 

 

 

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Echo Online

 

Datum: 11.07.2006

Aktuell: 26.07.2016