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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Zwillingsformeln

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Ach und Krach

Dichten und Trachten

Donner und Doria

Haus und Hof

Kind und Kegel

klipp und klar

rank und schlank

Saus und Braus

Stein und Bein

Tisch und Bett

Volk der Dichter und Denker

 

Zwillingsformeln sind feste Redewendungen, bei denen zwei Wörter durch "und" verbunden sind und eine Gesamtheit ausdrücken. Oft, nicht immer, reimen sie sich im Anlaut oder am Ende. Ohne Reim: "Tisch und Bett" 'eheliche Gemeinschaft' – Reim im Anlaut: "Haus und Hof" 'Grundbesitz' – Reim am Ende: "Ach und Krach" 'Mühe', auch bei Adjektiven: "klipp und klar", "rank und schlank".

Manchmal ist nicht klar, was mit einem dieser Wörter gemeint ist.

"Saus und Braus" ist der Inbegriff von sorgloser Verschwendung. Es handelt sich um zwei Schallwörter, die wie andere Ausdrücke das laute, fröhliche Feiern bezeichnen: "auf die Pauke hauen, eine Sause machen, verjubeln". Ob dabei auch an den brummenden Schädel am nächsten Morgen gedacht ist?

Klipp ist eigentlich ein Schallwort, zu dem klapp gehört. "Klipp und klar" meint 'knapp und verständlich': Eine kurze, treffende Formulierung kann mehr aussagen als eine umständliche Umschreibung.

Rank ist ein norddeutsches Mundartwort für 'schlank'.

Bei "Kind und Kegel" hat Kegel die früher häufige Bedeutung 'uneheliches Kind'.

"Stein und Bein" wird im Zusammenhang mit "frieren" und "schwören" gebraucht. Bein hat hier den alten Wortsinn 'Knochen'. "Stein und Bein" sind also Inbegriff des Harten, Festen.

"Donner und Doria" kommt erstmals in Schillers Fiesko vor (1,5). Dort verwendet Gianetto Doria diesen Kraftausdruck. Es ist unwahrscheinlich, dass jemand seinen eigenen Namen zum Fluchen verwendet. Schiller wird also eine ältere Redewendung aufgegriffen und zum Schmunzeln der Zuschauer und Leser dem unflätigen Doria in den Mund gelegt haben. Vielleicht ist der Ausdruck aus "Donner und Gloria" entstanden, etwa als Inbegriff von etwas Lautem. Das Gloria "Ehre sei Gott in der Höhe" wird in jedem Gottesdienst gesungen. Auch in anderen Fällen hat man bei Kraftausdrücken "verbotene Wörter" entstellt, etwa "verflixt" statt "verflucht".

Wir Deutschen nennen uns gern das "Volk der Dichter und Denker" und sind dabei stolz auf die Leistungen unsrer Schriftsteller und Philosophen. Auch hier haben wir einen Reim im Anlaut. Die Formel stammt aus dem Vorwort zur Märchensammlung (1782-86) von Johann Karl August Musäus. Er nennt "Dichter und Denker" in einem Atemzug mit den "schönen Geistern" eines Jahrhunderts, nicht eines Landes. Er meinte also die Autoren der schönen Literatur.

Aus der Lutherbibel stammt der Ausdruck "Dichten und Trachten", ein Beispiel für eine Zwillingsformel, die nicht gereimt ist. Dichten hatte schon im Mittelhochdeutschen auch die Bedeutung 'erfinden' und trachten hatte den Sinn von 'bedenken, streben'. Das biblische "Dichten und Trachten des menschlichen Herzens" meint also unsre Gedanken und Pläne.

   

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Datum: 29.08.2006

Aktuell: 26.03.2016