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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Nikolaus und seine Verwandten

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Er schwatzte einem Kapitän eine Schiffsladung Getreide ab, um den Hunger in seiner Stadt zu stillen. Er bestach Seeräuber, damit sie von der Plünderung der Stadt absahen. Er setzte sich für unschuldig inhaftierte Adlige ein. Solche Geschichten erzählte man vom Bischof Nikolaus in der anatolischen Stadt Myra (etwa 270-342). Zum Geschenkebringer und Kinderfreund wurde er erst durch die neuzeitlichen Bräuche.

Nikolaus hat viele Verwandte. Ich meine jetzt nicht Gestalten wie den hessischen Pelznickel, der in Tierfelle gehüllt war. Oder den modernen Weihnachtsmann im Kaufhaus. Oder den amerikanischen Santa Claus mit seinem Rentierschlitten oder seinen russischen Kollegen Дед Мороз Ďed Mɑróż, das 'Väterchen Frost'.

Mit Nickel und Klaus kommen wir der Sache aber schon näher, denn das sind Kurzformen des Namens. Auch der heute beliebte Vorname Niklas gehört dazu, ebenso wie Klaas, Nick, Nicki, Nicola, Nicole, Niels, Nikolai und slawische Formen mit M-. All das sind ehrenhafte Namen, bei denen sich keiner was denkt, im Unterschied etwa zu Kaspar, ursprünglich einer der heiligen drei Könige und heute zum Spaßmacher verkommen.

Dabei war auch Nickel ein Scheltwort. Im Südhessischen war Nikolaus, Nickel unter anderem eine vermummte Gestalt oder ein Dämon, den diese Maske darstellen sollte. Auch in anderen Dialekten hatte Nickel die Bedeutung 'Dämon, Hausgeist, Berggeist'.

Die zweite Silbe -el ist zwar verkürzt aus dem -ol in Nikolaus, man kann es aber auch als Verkleinerungssilbe verstehen (wie in Hänsel). Daher bekam der Name auch die Bedeutung 'kleiner Mensch, Kind'. Da Kinder manchmal unleidlich sind, wurde Nickel zum 'eigensinnigen Kind oder Menschen' und somit zu einem Scheltwort, daher rheinisch nickelig 'unbeliebt, empfindlich', als Modewort auch 'frech, hinterhältig, kleinlich'.

Wenn Bergleute nach Bodenschätzen graben, müssen sie Tonnen von totem Gestein durchwühlen, bevor sie das finden, was sie suchen. Manchmal förderten sie mit großer Mühe metallisch glänzende Klumpen zutage, aber als sie diese weiter verarbeiten wollten, waren sie enttäuscht: Es war kein Silber oder Kupfer, sondern unbrauchbares Zeug, die ganze Mühe war umsonst. "Blöder Nickel" schimpften sie. Hatte ein Kobold sie zum Besten gehalten? Die Metallnamen Nickel und Kobalt sollen so entstanden sein. Erst später entdeckten die Wissenschaftler, dass auch diese Mineralien brauchbare Rohstoffe sind.

Nickel enthielten die Zehnpfennigmünzen schon 1873, als die Mark den Gulden ablöste. Man sagte daher Nickel für Zehner oder Groschen. Die heutigen 10- und 50-Cent-Stücke bestehen aus einer Kupferlegierung, während die 1- und 2-Euro-Münzen etwas Nickel enthalten. 

   

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Echo Online

Sprachecke 07.12.2004 | Die Wahrheit über den Nikolaus

 

Datum: 05.12.2006

Aktuell: 26.07.2016