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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Räder

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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1817 radelte in Mannheim der Freiherr Karl Drais auf der von ihm erfundenen "Laufmaschine" durch die Straßen. Böse Zungen reimten das Spottlied: "Freiherr von Rutsch, zum Fahrn keine Kutsch, zum Reiten kein Gaul, zum Laufen zu faul." Wer hätte damals geahnt, dass man aus diesem hölzernen Fortbewegungsmittel das wirtschaftlichste Fahrzeug entwickeln würde, das es je gab? Gegen Ende des Jahrhunderts waren die wesentlichen Teile erfunden, die in die Zukunft führen sollten, vor allem der Kettenantrieb mit einer Tretkurbel.

Man nannte das Gerät nach dem Französischen Velociped 'Schnellfuß' (aus dem Lateinischen) oder Bicycle 'Zweirad' [1]. 1885 wurden die deutschen Bezeichnungen Fahrrad, Radfahrer, Rad fahren eingeführt. Die Bayern und Österreicher sagen stattdessen Radl, Radler, radeln. Die Schweizer blieben bei ihrem Kurzwort Velo. In den Niederlanden entstand aus dem französischen Wort ein entstelltes vielesepee oder flitsepee, daraus um 1870 das heutige fiets 'Fahrrad'.

Motorisierte Zweiräder gibt es seit 1885, damals Reitwagen genannt. 1914 ist Kraftrad, 1924 Motorrad bezeugt. Man war ja in dieser Zeit bemüht, technischen Neuerungen deutsche Namen zu geben. Daher nannte man das Telefon Fernsprecher (1875), das Automobil Kraftfahrzeug (1907), drahtlos telegraphieren funken (1914), die Radiosendung Rundfunk (1923). Und noch heute gebrauchen die Behörden die Abkürzungen Kfz 'Kraftfahrzeug, Pkw 'Personenkraftwagen', Lkw Lastkraftwagen'.

Schon 1904 wurden die Krafträder im deutschen Heer eingeführt. Dort kam das Kurzwort Krad auf, nachweisbar allerdings erst im 2. Weltkrieg. Man bildete aus Teilen eines längeren Wortes ein Kurzwort. Diese Art von Abkürzungen war schon vor Hitler üblich (Kripo 'Kriminalpolizei, Schupo 'Schutzpolizei, 20er-Jahre). Ähnlich gebildet sind spätere Neuerungen wie Moped (aus Motor und Pedal, 50er-Jahre) und Mofa 'Motorfahrrad', 70er-Jahre).

Kraftrad ist heute ein Oberbegriff für die unterschiedlich gebauten motorisierten Zweiräder, also nicht nur für Motorräder, sondern auch für Motorroller, Mopeds, Mofas und Fahrräder mit Hilfsmotor. Das Kurzwort Krad wird heute beim Militär, bei Behörden, Händlern und Liebhabern dieser Fahrzeuge verwendet.

Die Laufmaschine des Freiherrn Drais, später Draisine genannt, ist in den letzten Jahren als Laufrad für Kleinkinder sehr beliebt geworden. Draisine war ab 1837 der Name eines muskelgetriebenen Schienenfahrzeugs, das die Bahn zur Streckenkontrolle einsetzte.

Noch 1878 hielt "Meyers Konversations-Lexikon" das "Velociped" für eine vorüber gehende Mode-Erscheinung. Dass das Fahrrad eine große Zukunft haben würde, konnte man nicht ahnen.

   

 

 

 

 

[1] lat. veloc- 'schnell' + ped- 'Fuß'

griech. βι bi- 'zweimal' + κύκλος kýklos 'Rad'
frz. bicycle bezeichnete das 'Hochrad', das heute übliche 'Niederrad' heißt bicyclette mit Verkleinerungs-Anfügung.

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Automobil

 

Datum: 06.03.2007

Aktuell: 26.03.2016