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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Lehrkräfte

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Lange vor Pisa hat man versucht, unser Bildungssystem zu verbessern, etwa durch die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, Lehrerfortbildung, gezielte Begabtenförderung und vieles andere. Diese Bemühungen haben auch ihren Niederschlag gefunden in den wechselnden Bezeichnungen, die man für die Lehrkräfte verwendete.

Lehrer gab es schon im Karolingerreich, damals lêrâre (Mehrzahl) genannt, abgeleitet von lêren 'Wissen vermitteln', das man bereits damals von lernên 'Wissen erwerben' unterschied. Beide Wörter sind abgeleitet von les (gotisch geschrieben lais) 'ich weiß'.

Auf Lateinisch sagte man magister 'Vorgesetzter, Lehrer, der sein Fach versteht', deutsch "májister" ausgesprochen und zu Meister verkürzt. Der lateinische Titel wurde zu Beginn der Neuzeit wieder aufgenommen und richtig "magíster" betont. Damit bezeichnete man einen akademischen Grad (heute englisch master). Auch doctor bedeutet 'Lehrer', abgeleitet von docêre 'lehren'. Der gewöhnliche Schullehrer hieß praeceptor, zu praecipere 'vorschreiben, warnen, lehren'. Man verstand ihn nicht als Vermittler von Wissen, sondern von praktischem Können.

Meister ist heute ein qualifizierter Handwerker, der ausbilden und einen Betrieb führen darf. Schulmeister war noch im 19. Jahrhundert Titel des Schulleiters oder einzigen Lehrers. Ein Meister im Sport bildet nicht aus, sondern ist der Beste in seiner Disziplin.

Den Ausbilder im Sport nennen wir Trainer, der seine Leute trainiert. Beide Wörter wurden im 19. Jahrhundert aus dem Englischen übernommen und beruhen auf altfranzösisch traïner 'nachziehen, schleppen'. Man sagte das zuerst von Pferden, die lernen mussten einen Wagen zu "ziehen". Französisch und englisch train 'Eisenbahnzug' haben denselben Ursprung.

Heute beginnt sich das Modewort Coach statt Trainer einzubürgern. Auch dieser englische Begriff stammt aus der Pferdehaltung: to coach 'Pferde daran gewöhnen, eine "Kutsche" (coach) zu ziehen.' Im Laufe der technischen Neuerungen wurde das Wort für 'Kutsche' auf den Personenwagen der Bahn und den Reisebus übertragen. Englisch coach ist auch der Nachhilfelehrer oder Tutor von Studenten.

Einen religiösen Lehrer nennen die Juden ehrfürchtig Rabbi 'mein Großer'. Davon abgeleitet ist Rabbiner 'jüdischer Geistlicher'. Seine Hauptaufgabe ist, die religiösen Vorschriften zu lehren und auszulegen.

Auch das lateinische magister hat eine ähnliche Bedeutung, eigentlich 'größer'. Das Wort ist eine unregelmäßige Steigerungsform von magnus 'groß'.

In Indien nennt man einen religiösen Lehrer Guru 'Gewichtiger, Wichtiger'. Das indische Wort ist mit lateinisch gravis 'schwer' verwandt. Auch wir verbinden inneres "Gewicht" mit "Wichtigkeit" und Bedeutung.

   

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Echo Online

Sprachecke 19.07.2016

 

Datum: 03.04.2007

Aktuell: 14.07.2016