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Heinrich Tischner

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Himmelfahrt

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Himmel

   heaven

   sky

religiöser Himmel

Himmel und Gott

 

Die Christen feiern vierzig Tage nach Ostern, jedes Mal an einem Donnerstag, das Fest Christi Himmelfahrt. Der Zusatz ist notwendig, weil es auch noch den katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt am 15. August gibt, richtiger "Marias Aufnahme in den Himmel": Christus und seine Mutter, so die christliche Überzeugung, sind jetzt im Himmel.

Moderne Menschen haben mit dem Himmel ihre Probleme: Was wir über uns sehen, das Blaue, ist die vom Sonnenlicht gefärbte Atmosphäre. Ähnlich wirkt die Erde vom Weltraum aus als Blauer Planet. Da ist kein Firmament, kein festes Gewölbe, an dem die Gestirne angebracht sind. Je höher man kommt, desto dünner wird die Luft und bald weicht die Bläue der samtschwarzen Nacht des Alls, Milliarden von Lichtjahren tief, und zwischen den Galaxien und Sternen leerer Raum, das pure Nichts.

Die Menschen englischer Zunge haben es gut, denn sie unterscheiden zwischen sky, dem Blauen oder Schwarzen über uns, und der religiösen Dimension heaven. Die Angelsachsen taten gut daran, dass sie von den Dänen das altnordische ský 'Wolke' als zweites Wort für 'Himmel' übernahmen. Das erste war das vom Festland mitgebrachte altsächsische heƀan, altenglisch heofon, heute heaven. Der Laut in der Mitte ist ein flüchtig gesprochenes M, so dass heban dem gotischen himins und unserm Himmel entspricht. Das Grundwort hem- 'bedecken' steckt auch in Hemd. Mit der "Decke" war wohl das "Himmelszelt" gemeint, das man sich ähnlich wie beim "Himmelbett" über die Erde ausgespannt dachte.

Das nordische sky gehört zu althochdeutsch skuwo 'Schatten' und indogermanisch skeu- 'bedecken', hier im Sinn von 'bedeckter Himmel'. Die alten Insulaner sahen also über sich meist Wolken und nur selten strahlendes Blau. Im sonnigen Italien war es anders, daher nannten die Römer den Himmel caelum 'das Helle' zu einem indogermanischen kāi-, das auch in heiter steckt.

Der religiöse Himmel, in den Jesus "gefahren" ist, ist nicht die Luft (sky), sondern die unsichtbare Welt Gottes (heaven). Die damaligen Juden und mit ihnen Jesus vermieden das Wort "Gott" und umschrieben es, zum Beispiel mit "Himmel". Jesus und die Seligen sind also nach christlicher Auffassung nicht im Weltraum, sondern bei Gott, das ist mit "Himmelfahrt" gemeint.

Aber auch für andere Völker waren Himmel und Gott dasselbe. Die Indogermanen verehrten einen Himmelsgott Dieus, erhalten in den Götternamen Zeus, Ju-piter 'Vater Himmel', althochdeutsch Zio, altnordisch Tyr. Davon stammen auch die lateinischen Wörter dies 'Tag', divus 'göttlich', deus 'Gott'. Das Grundwort dei- 'leuchten, Tag, Himmel, Gott' lässt sich auf der ganzen Welt nachweisen. Die Gleichsetzung von Himmel und Gott muss also uralt sein.

   

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Echo Online

Begriffe: Himmel | Feiertage

 

Datum: 15.05.2007

Aktuell: 26.07.2016