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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Brandstifter

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Es ging mir durch und durch, als ich in den Nachrichten erfuhr, dass in Griechenland mutwillig die Wälder angezündet wurden und unzählige Menschen verbrannten.

Am nächsten Morgen beschäftigte ich mich mit dem Weistum des Wildbannes in der Dreieich von 1338. Die Dreieich war der Waldbezirk im nördlichen Rhein-Main-Gebiet, der Wildbann das ausschließliche Jagdrecht des Kaisers. Das Weistum enthält Strafbestimmungen für Wildfrevel sowie Vorschriften zur Sicherung des Jagdrechts und zum Umweltschutz. Man durfte also schon damals nicht nach Belieben Bäume fällen. Unter anderem wird die Behörde angewiesen: "Auch so soll mann weren die welde anzustossen; wo mann den begriff, dem sall mann bynden hende und fusze, vnd sall yne legen drywerbe vor das fuwer, da isz aller grost ist. - Auch soll man wehren die Wälder anzustecken. Wenn man den (Schuldigen) ergreift, soll man ihm Hände und Füße binden und soll ihn dreimal vor das Feuer legen, wo es am größten ist." Ob das Pyromanen abgeschreckt hat?

Ein Pyromane ist ein psychisch Kranker, der zwanghaft immer wieder Feuer legen muss. Das moderne Wort ist gebildet aus griechisch πῦρ pŷr 'Feuer' und μανία manía 'Wahnsinn'.

Andere Leute legen Feuer aus Rache oder um den Wald zu beseitigen. Der obige Paragraph verbietet die Brandrodung. Das ist eine uralte Methode, im Wald neues Ackerland anzulegen: Man fällte die Bäume und verbrannte das Holz. Die Asche düngte den Boden. Wenn er erschöpft war, zog man weiter, das Land erholte sich und der Wald nahm wieder von ihm Besitz.

Absichtliches oder fahrlässiges Feuerlegen nennen die Juristen Brandstiftung. Unter einer Stiftung stellen wir uns eigentlich etwas Gutes vor: Da hat jemand Kapital für einen gemeinnützigen Zweck gespendet, aus den Zinsen wird eine wohltätige Einrichtung finanziert. Aber es gibt auch böse Menschen, die Unruhe stiften, andere zu Untaten anstiften und rechtzeitig stiften gehen, wenn die Polizei kommt. Stiften gehen lässt sich verstehen als 'sich benehmen wie  ein ängstlicher Knabe ("Stift"). Stiften hat die Bedeutung 'gründen', zum Beispiel eine Anstalt wie das 1858 "gestiftete" Elisabethenstift, benannt nach einer hessischen Prinzessin. Ein Brandstifter ist also einer, der ein Schadfeuer "gründet", verursacht.

Dass man Wälder anzündete, gab es auch im Mittelalter, sonst hätte man es nicht verbieten müssen. Ich stolperte über die Formulierung "die welde anzustossen". Welde war bis ins 18. Jahrhundert die Mehrzahl von Wald. Die heutige Mehrzahl Wälder kam zu Beginn der Neuzeit auf. Anstoßen ist dasselbe wie anstecken: Man "stößt" mit einem brennenden Scheit an das Holz und "steckt" das Feuer hinein.

   

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Echo Online

Sprachecke 26.01.2015

 

Datum: 04.09.2007

Aktuell: 26.07.2016