Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Energiesparlampen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

Energie

Kraft

Macht

Gewalt

 

Strom sparen wir schon, wenn wir Licht nicht unnötig brennen lassen, und nicht erst, wenn wir Energiesparlampen verwenden. Heizung sparen wir bereits, wenn wir uns wärmer anziehen, und nicht erst, wenn wir das Haus umbauen oder den Anbieter wechseln. Treibstoff sparen wir am einfachsten, wenn wir unsre Muskeln benutzen statt Motoren.

Alle reden von Energie. Was ist das eigentlich? Das lässt sich aus dem Wort selbst erklären: Es kommt aus dem Griechischen und ist zusammengesetzt aus ἐν en 'in' und (Ϝ)ἔργον  (w)érgon 'Werk'. Ἐνεργεῖν energeîn ist 'ins Werk setzen, wirken, bewirken'. Ἐνέργεια Enérgeia bedeutet 'Einwirkung: Wirksamkeit, Wirkung, Kraft, Macht'. Energie ist demnach das Vermögen, etwas "ins Werk zu setzen", also zum Beispiel Wasser sieden, eine Lampe brennen oder einen Motor laufen zu lassen. Wer im menschlichen Zusammenleben etwas erreichen will, kommt mit roher Gewalt nicht weit, dazu bedarf es der Überzeugungskraft. Wer aber in der materiellen Welt etwas bewirken will, braucht physische Kraft, Muskelkraft oder technische Energie. Macht und Kraft gehören also zusammen.

Bei Kraft denken wir heute in erster Linie an die der Muskeln. Aber auch technische Energie nennen wir Kraft, das sehen wir an Kraftwagen, Kraftstoff, Kraftwerk. Die Streitkräfte kämpfen heute nicht mehr mit der Faust, sondern mit Hilfe der Technik. In Berlin werden Gesetze manchmal auch durchgeboxt, aber vor allem "in Kraft" gesetzt, gültig oder wirksam gemacht. Eine Arbeitskraft ist kein Muskelprotz, sondern ein Arbeitnehmer. Das englische craft hat heute die Bedeutung 'Geschicklichkeit, Kunstfertigkeit'. Kraft ist also in etwa dasselbe wie 'Energie, Wirksamkeit'.

Ein Gesichtspunkt kommt dabei aber nicht zum Tragen, nämlich der der Macht. Das Wort ist abgeleitet von mögen in seiner alten Bedeutung 'zu etwas fähig sein'. Heute denken wir vor allem an den Einfluss, den jemand hat. Politiker kämpfen um die Macht, nicht mit Boxhandschuhen, sie versuchen es mit Überzeugungskraft. Bei Menschen können ja gesprochene Worte viel erreichen. In den Hintergrund getreten ist darüber die ältere Bedeutung 'Fähigkeit, etwas zu bewirken', heute meist mit Vermögen ausgedrückt, und zwar im doppelten Sinn von 'Fähigkeit' und 'Geldmittel'.

Wenn alles Zureden nicht hilft, versuchen es manche mit roher Gewalt, dem zerstörenden Einsatz physischer Kraft. Eigentlich war mit Gewalt ja die politische Macht gemeint. In einer Demokratie "geht alle Gewalt vom Volk aus", nicht von den Chaoten auf der Straße, sondern von den Wählern und den gewählten Vertretern. Das Wort ist abgeleitet von walten, ursprünglich 'herrschen'. Heute gebrauchen wir es mehr im abgeblassten Sinn von 'wirken': "Hier waltet ein guter Geist".

   

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

 

Datum: 11.2.2007

Aktuell: 26.07.2016