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Heinrich Tischner

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Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Profit

Geschäft

Gewinn

Verdienst

 

Irritiert wandte sich ein Leser an mich: Ein Redner hatte gesagt, das Wort Profit bedeute 'Raub und Ausbeutung. Ob diese Deutung denn richtig sei, wollte er wissen.

Ich konnte ihn beruhigen: Profit ist die altfranzösische Form von lateinisch profectus 'Vorteil, Gewinn, Nutzen' und abgeleitet von proficere 'vorwärtskommen, Fortschritte machen, für etwas nützlich sein'. Wahrscheinlich hatte der Redner dieses Wort mit dem ähnlichen privat verwechselt, das von lateinisch privare 'berauben' kommt und eigentlich 'der Öffentlichkeit entzogen' bedeutet. Vielleicht dachte er auch an die Behauptung der Kommunisten, Eigentum sei Diebstahl, und wollte sagen: Wer auf Profit aus ist, beraubt die Allgemeinheit und einzelne Menschen. Es kann aber kein Geschäft oder Unternehmen auf Gewinn verzichten und genau so viel ausgeben wie es einnimmt, sonst häufen sich ganz schnell die Schulden. Das Problem ist nicht der Profit an sich, sondern die Profitgier. Ist es für uns gut, wenn wir immer mehr haben wollen und ewig unzufrieden sind? Ist Überfluss möglich, ohne dass andere Menschen dadurch "beraubt" werden und die Umwelt Schaden erleidet?

Aber ich wollte ja nicht moralisieren, sondern etwas für die Sprachecke schreiben. Profit ist ein Fremdwort. Wie sagt man auf Deutsch? Geschäft, Gewinn, Verdienst. Keines dieser Wörter gibt genau das wieder, was wir mit Profit meinen, in keinem steckt auch dieser verächtliche Unterton. Außerdem unterscheiden sich diese Wörter in ihren Bedeutungsfeldern:

Geschäft kommt von schaffen und bedeutet eigentlich soviel wie 'Beschäftigung, Tätigkeit'. Heute verwenden wir dieses Wort in der Bedeutung 'kaufmännisches Wirken, Handel; gewinnbringende Aktivitäten; gewerbliches Unternehmen, Firma; Kaufladen', meinen aber auch noch allgemein 'Betätigung' und geben schließlich unserer Verrichtung die verhüllende Bedeutung 'Notdurft'. Klar, dass man kein gewerbliches Geschäft betreiben kann, ohne Profit machen zu wollen.

Gewinn ist, wenn man gewinnt oder was man gewinnt, entweder beim Handel, beim Glücksspiel oder bei einem Wettkampf. Das kann Geld sein, eine Puppe auf dem Weihnachtsmarkt oder ein Pokal. Das Grundwort gewinnen bedeutet ja auch 'siegen'. Ein Gewinn ist also nach seiner Grundbedeutung etwas, was man im Kampf erstreitet.

Verdienst kommt von dienen und hat immer einen Hauch von Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit. Das Wort bezeichnet nicht nur den Lohn, den wir für unsre Arbeit bekommen, sondern auch die nicht materiellen "Lorbeeren", das Ansehen, das wir durch unsern Einsatz erwerben.

Keines dieser Wörter kann das Fremdwort Profit ersetzen. Besser wäre es, wenn wir auf die damit verbundene Habgier verzichten könnten.

   

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Echo Online

 

Datum: 18.12.2007

Aktuell: 30.04.2016