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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Tattoo

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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englisch tattoo:

'Zapfenstreich'

'Tätowierung'

Tabu

Totem

 

In der schottischen Stadt Edinburgh findet jährlich ein Military Tattoo, ein großes Fest mit Militärmusik statt. Das englische tattoo bedeutet 'Zapfenstreich'. Das Wort kommt von niederländisch tap toe "den Zapfhahn zu, es wird nichts mehr ausgeschenkt". Unser Zapfenstreich deutet an, dass man das Bierfass mit einem Schlag ("Streich") auf den Zapfen wieder verschloss. Der einfache Befehl "Hahn zu" und die symbolische Handlung wurden bald durch Trompetensignale ersetzt und zu ganzen Musikstücken und Konzerten ausgestaltet.

Gar nichts mit diesem militärischen Brauch hat die moderne Sitte zu tun, seine Haut mit Tattoos zu verzieren. Dafür gibt es das deutsche Wort tätowieren, das über die ältere englische Form tattow auf polynesisch tatau zurückgeht (aus ta 'schlagen' und tau 'Zeichen'). Bei den Bewohnern der Südsee lernten die europäischen Seefahrer die Sitte der Körperbemalung wieder neu kennen, die bei uns lange vergessen war.

Bei den Kelten war sie noch üblich. Die Barbaren in Schottland wurden von den Römern Picti genannt, von den Iren Cruthni 'die Bemalten'. Dasselbe Wort lautet auf Walisisch Prydeinig und bedeutet 'britannisch'. Irisch c- und walisisch p- sind weiterentwickelt aus altkeltischem qu‑. Vielleicht ist germanisch writan 'Runen ritzen' eine weitere Variante und ein Hinweis darauf, dass die Britannier nicht bloß von Fall zu Fall eine Kriegsbemalung anlegten, sondern tätowiert waren. Das waren keine Verzierungen, sondern Stammeszeichen, an denen man erkennen konnte, zu welcher Gruppe jemand gehörte.

Nicht nur das Wort tätowieren haben wir von den Polynesiern übernommen, sondern auch einen wichtigen Ausdruck aus ihrer Religion: Tabu 'verboten, unberührbar'. Für uns ist es zum Beispiel tabu, in einer Kirche zu rauchen. Es ist den meisten gar nicht bewusst, dass sich das nicht gehört, und es wird auch nicht darüber gesprochen. Und trotzdem hält sich jeder an diese stillschweigende Vereinbarung.

Ein anderer Begriff aus fremdartiger Religion führt wieder zum Tattoo zurück: Ein Totem ist ähnlich wie unser Wappen das Symbol einer Gruppe, dargestellt auf einem Totempfahl. Oft handelt es sich um ein Tier, das man als Verwandten betrachtet und nicht tötet. Auch das Tier hält sich an diese Regel und greift seine "Angehörigen" nicht an, wie mir ein Forscher aus eigener Kenntnis versichert hat. Totem kommt aus der Sprache der kanadischen Algonkin (im Dialekt der Ojibwe: doodem) und bedeutet 'Verwandtschaft'. Sprechende Indianernamen wie "Sitzender Stier, Geheimnisvolles Pferd" waren Ausdruck eines persönlichen Totems. Das gezeichnete Symbol galt bei den Weißen als Unterschrift. Ähnliche Vorstellungen gibt es auch bei anderen urtümlichen Völkern.

   

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Echo Online

 

Datum: 30.09.2008

Aktuell: 26.03.2016