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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Weiche Speisen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Pampe ist eine dickflüssige Masse, nasse Erde oder ein Essen von ähnlicher Konsistenz: weich und ohne Biss. Sagen Sie nicht "Bä, das ist ja eklig!" Denn diese Speisen schmecken meist ganz lecker. Ich würde ja "Brei" dazu sagen, wenn da nicht die alte Konkurrenz zu "Mus" bestünde und wenn dieses Wort für alle Zubereitungen zuträfe.

Das fängt schon mit dem Teig an. Er kommt nicht als Pampe auf den Teller, sondern wird gebacken oder bei Nudeln gekocht. Teig kommt von indogermanisch dʰeigʰ- 'kneten'. Geknetet hat man zuerst Lehm für Bauwerke (griechisch τοῖχος toîkʰos 'Mauer'). Lateinisch fingere 'formen' leitet über zur Töpferei und plastischen Gestaltung. 'Aus Ton formen' bedeutet auch das gotische digan. Dagegen bezeichnet daigs wie in allen anderen germanischen Sprachen die zum Backen bestimmte Masse aus Mehl. Brotteig ist der jüngste Spross dieser Familie.

Brotbacken ist zeitaufwändig. Schneller geht's, wenn man die gemahlenen Getreidekörner in Wasser kocht. Die Germanen aßen daher lieber Brei aus grob zerkleinertem Getreide (Grütze). Der wurde in heißem Wasser "gebrüht". Brei und brühen, germanisch brîwa und brôjan, gehen wie brauen und braten zurück auf die uralte Wurzel bʰ(e)r- 'kochen, sieden'.

Mus war ursprünglich ein Gericht, bei dem man alle Zutaten stundenlang bis zur Unkenntlichkeit zerkochte: Pflanzenteile (Gemüse), manchmal mit Fleisch oder Fisch. Der Name dieser Pampe, westgermanisch môs, steht im Ablaut zu germanisch mat- 'Nahrung' (englisch meat 'Fleisch').

Die Pampe aus Erd- oder Baumäpfeln ist im strengen Sinne des Wortes weder "Brei" noch "Mus", damit erklärt sich die Unsicherheit im Sprachgebrauch: Die einen sagen Apfelbrei, Kartoffelbrei, die anderen Apfelmus und Kartoffelpüree. Püree kommt aus dem Französischen und deutet an, dass man die Zutaten durch ein Sieb drückt. Das Drahtsieb wurde erfunden, um Körner oder Mehl von groben Bestandteilen zu reinigen (zu altfranzösisch purer 'reinigen).

Was wir heute Pudding nennen, ist eine verdickte Süßspeise aus Milch. Ursprünglich wurde er in einer Form gekocht und gestürzt serviert. Das Wort stammt aus dem Englischen und bezeichnete im 13. Jahrhundert eine Speise, die in einen Tiermagen gefüllt war. Später verwendete man Stoffbeutel oder Tücher, um die Füllung in Form zu halten. So erklärt sich das Wort: Pud- ist ein Beutel, Pudding 'zum Beutel gehörig' die Füllung.

Und was ist mit der Pampe? Dieses Wort ist erweitert aus Papp 'Kinderbrei', gebildet wie stampfen aus stapfen, trampeln aus traben. Papp ist wie happ, ham eine Lautgeste für "Mund auf, Essen rein, Mund zu". Pampe deutet wie mampfen eine große Portion an, die den Mund füllt, während man bei papp, happ an kleine "Happen" denkt.

   

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Datum: 21.10.2008

Aktuell: 26.07.2016