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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Spaßmacher

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Seid ihr alle da?" Generationen von Kindern haben begeistert "Ja" gerufen, als die Hauptfigur des Puppenspiels, der Kasper, die bekannte Eingangsfrage stellte. Dieser kleine Kerl mit der großen Nase hatte vor niemand Angst und legte sich mit Räubern, Krokodilen und sogar mit dem Teufel an.

Leider hat es dieser Held unmöglich gemacht, dass man Kinder heute Kaspar nennt. Denn Kasper ist zum Inbegriff eines Komikers geworden. Der Klassenkasper hat sich von seinen Mitschülern in die Rolle eines Clowns drängen lassen, den keiner ernst nimmt. Wem das Herz verrückt spielt, rast oder ungleichmäßig schlägt, der hat einen Herzkasper. Wenn sich jemand albern benimmt und sein Gekasper uns auf die Nerven geht, sagen wir "Hör auf zu kaspern!"

Beim Helden des Puppenspiels ist aber Kasper kein beliebiger Name. Diese Figur hat nämlich eine interessante Geschichte: Im Italien der Renaissancezeit gab es eine komische Gestalt namens Pulcinella, ein Mann mit schwarzer Halbmaske und einer langen Vogelnase. Von ihm hat unser Kasper seinen "Zinken" geerbt. Und wie kommt er zu seinem Namen? Wegen der schwarzen Larve. Kaspar ist doch der Mohr im Dreikönigsspiel.

Der Name des italienischen "Kaspers", Pulcinella ist abgeleitet von pulcino 'Küken', daran wurde die verkleinernde Anfügung -ella gehängt: 'das kleine Küken, Küchlein'. Die lange Nase ist also dem Hühnerschnabel nachempfunden. Die schwarze Maske verdankt Pulcinella einem Wortspiel im Lateinischen. Dort bedeutet pullus 'Küken' und 'dunkelfarbig'. Damit ist nur der Name, nicht die Geschichte dieser Gestalt erklärt.

Durch die italienischen Schauspieler wurde dieser Schelm samt seinem Namen in ganz Europa bekannt. Im Englischen heißt er Punch ("Pantsch"), gekürzt aus Punchinello. Die hessische Namensform ist Borzinellen 'Figuren im Puppenspiel'. Die Puppenbühne nannte man Borzinellenkasten.

Wir kennen auch zwei andere Gestalten aus der italienischen Komödie: Pagliaccio ("Paljattscho") wurde nach seinem Kleid 'Strohsack' genannt. In Venedig heißt er Pajazzo, bei uns Bajazzo. Der hessische Bájass 'Hanswurst' kommt nicht aus Italien, sondern aus Frankreich: Dort heißt der Strohsack paillasse ("pajáss"). Im Rheinland ist Paias eine ausgestopfte Figur, die bei Volksfesten gezeigt wird.

Und schließlich der Harlekin: Im Jahr 1091 will ein Normanne das "Wütende Heer" erlebt haben, die familia Harlechini (altfranzösisch herle 'Lärm' und normannisch kyn 'Familie'). Später dachte man an die Verkleinerungssilbe -kin und an einen einzelnen Dämon (herlequin 'Irrlicht'). Harlequin nannten italienische Schauspieler um 1600 in Paris eine komische Bühnenfigur. Sie brachten diesen Namen als Arlecchino ("Arlekkíno") nach Italien.

   

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Begriffe: Spaßmacher | Fastnacht

 

Datum: 25.02.2009

Aktuell: 26.07.2016