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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Abendmahl

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Das wichtigste christliche Sakrament hat im Unterschied zu Taufe keinen einheitlichen Namen. Erst in unsrer Zeit hat sich der Name Abendmahl in allen Kirchen durchgesetzt.

Die Katholiken sprechen traditionell von Kommunion oder Eucharistie. Ersteres ist die Teilnahme an dieser heiligen Handlung und kommt von lateinisch communio 'Gemeinschaft'. Letzteres  bezeichnet die Feier selbst. Griechisch εὐχαριστία eukʰaristía bedeutet 'Danksagung', das ist eins der Gebete, die bei dieser Zeremonie gesprochen werden. Dazu kommt Messe, ein katholischer Gottesdienst mit Eucharistie, lateinisch missa, eigentlich ein Stichwort aus dem letzten Teil: "Ite, missa est" - geht, (die Versammlung) ist entlassen.

Abendmahl ist der alte lutherische Ausdruck. Die Reformierten sagten Nachtmahl. Der Unterschied ist etwa derselbe wie der zwischen hochdeutsch Abendessen und hessisch Nachtessen. Das Sakrament wird zwar meist am Vormittag gefeiert, hat aber seinen Ursprung im letzten feierlichen Abendessen, das Jesus mit seinen Jüngern zu sich nahm. Daran denken die Christen am Gründonnerstagabend.

Mahl ist heute der feierliche Ausdruck gegenüber dem alltäglichen Essen. Nicht nur Schüler haben ihre Mühe, bei Mahl 'Essen', Mal 'Zeitpunkt; Fleck', mahlen 'Mehl machen' und malen 'mit Farbe hantieren' das H an die richtige Stelle zu setzen und zu verstehen, was Vermählung 'Hochzeit' und die Partikel mal damit zu tun haben.

Diesen Ausdrücken liegen mehrere alte Wörter zugrunde:

Auf germanisch maþla 'Versammlung, Rede, Vertrag' gehen Gemahl, Vermählung zurück, denn eine Hochzeit war eine Absprache nicht nur zwischen Mann und Frau, sondern zwischen zwei Großfamilien. Germanisches ‑thl- wurde im Westgermanischen zu ‑hl-.

Mahlen gehört wie Mehl, Müller und Mühle zu einem ablautenden indogermanischen mel- 'zerreiben'.

Mahl 'Essen', Mal 'Zeitpunkt' und die Partikel mal sind dagegen dasselbe Wort, zu germanisch mêla 'Maß, Zeitpunkt, Essenszeit', das wohl mit messen verwandt ist. Was das Essen damit zu tun hat, erkennen wir, wenn wir das Wort Mahlzeit einbeziehen: Gemeint war ursprünglich die festgesetzte Zeit für das gemeinsame Essen.

Davon zu unterscheiden ist Mal 'Fleck', das zu malen 'mit Farbe hantieren' gehört. Es kommt von germanisch mêl- 'dunkle Farbe'.

Wie kompliziert das alles ist, können wir uns am Beispiel des Abendmahls klarmachen:  Zeitpunkt (Mal) und Häufigkeit (mal) spielen keine Rolle. Ein richtiges Essen (Mahl) ist es auch nicht, man bekommt ja nur eine Andeutung von Essen und Trinken. Eher hat es was mit dem alten maþla zu tun: Man kommt zusammen und es werden Worte gesprochen von einem "neuen Testament" oder "Bund". Das ist doch eher wie bei der Vermählung: ein Zeichen der Verbundenheit.

   

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Echo Online

 

Datum: 07.04.2009

Aktuell: 26.07.2016