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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Volksfeste

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Fest

Jahrmarkt

Markt

Messe

Kirchweih

Kirmes

Kirtag

Dult

 

Was gehört zu einem zünftigen Volksfest? Ein Rummelplatz mit Schaustellern, Buden und Fahrgeschäften wie Riesenrad, Karussell, Schiffschaukel, Achterbahn, Geisterbahn und anderen Apparaten. Selbstverständlich auch jede Menge zu essen und zu trinken.

Die traditionellen Volksfeste lassen sich nach ihren Namen einteilen als Fest, Markt, Messe und Kirchweih:

Fest heißen jüngere Großveranstaltungen wie das Bergsträßer Winzerfest in Bensheim (1929), das Rheinische Fischerfest in Gernsheim (1948) und das Darmstädter Heinerfest (1950).

Die Jahrmärkte in den Städten sind begründet im mittelalterlichen Marktrecht, das einer aufstrebenden Siedlung erlaubte, regelmäßig an bestimmten Terminen Verkaufsveranstaltungen im Freien durchzuführen. Neben dem Wochenmarkt für Lebensmittel gab es einen oder mehrere Jahrmärkte, bei denen Kaufleute sonstige Waren anboten und Gaukler ihre Kunststücke aufführten.
Die entsprechenden südhessischen Feste heißen nicht Jahrmarkt, sondern Markt mit einem verdeutlichenden Bestimmungswort: nach dem Termin: Georgi- und Martinimarkt (Bensheim 23.04. und 11.11., beide seit dem Mittelalter), nach dem Platz: Erbacher Wiesenmarkt (1802).

Eine Messe ist ein katholischer Gottesdienst. An besonderen kirchlichen Feiertagen fand anschließend auch ein Jahrmarkt statt, so bekam Messe die Bedeutung 'Verkaufsveranstaltung', richtig professionell in Frankfurt, mit Volksfestcharakter bei der Frühjahrs- und Herbstmess in Darmstadt.
Sprachecke 02.02.2015

Auf dem Land und in den städtischen Kirchengemeinden feiert man die Kirchweih (ein südwestdeutsches Wort, um 1440 in Mainz als kirwihe erwähnt. Das Ch wurde wie das H bei ‑wihe nicht mehr gesprochen. 1540 notiert Erasmus Alber die gesprochene Form Kirb, so sagt man heute noch in einigen Orten im nördlichen Odenwald. Sonst ist überall vor R das I zu E geworden. Im Kreis Bergstraße und im südlichen Odenwaldkreis hat sich aus kirwihe das heutige Kerwe entwickelt. Wo man das E verschluckt, wird aus dem W ein B, daher Kerb. Im Alemannischen sagt man Chilbi (zu Chilche 'Kirche'). Ähnliche Namen sind in Nordwestdeutschland Kir(ch)mes und in Österreich Kir(ch)tag. Entlang der bayrischen Ostgrenze und in Südtirol sagt man Dult, wohl ein Wort aus der gotischen Mission (von dulþs 'Fest').
Kirchweih ist der jährlich begangene Erinnerungstag an die Einweihung der örtlichen Kirche. Auf dem Land war dies eine der wenigen Gelegenheiten zu feiern, daher hat man dieses Fest auf vier Wochenenden ausgedehnt mit Kerb-Ansaufen, Hauptkerb, Nachkerb und Kerb-Absaufen. Dabei hat sich ein reiches Brauchtum entwickelt. Dies ist in den letzten 60 Jahren mit der dörflichen Kultur untergegangen und konnte nur teilweise erhalten oder wieder belebt werden

   
   

 

Leserbrief:
Kirb
sagt man bis heute nicht nur im nördlichen Odenwald, sondern auch im Vogelsberg, z.B. rund um mein Heimatdorf Leisenwald, heute Stadtteil von Wächtersbach, ebenso überhaupt dort in der Umgegend, so in Brachttal, Birstein (z.B. Untersotzbach, Schönhof) bis fast in Völzberg, aber auch in der beginnenden Wetterau, z.B. Wolferborn usw.

   

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Übersicht

 

Echo Online | Begriffe: Feiertage

Georg Heß, Kirchweihfreuden 1878

 

Datum: 29.09.2009

Aktuell: 27.05.2017