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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Amazonen: Weiber wie Hyänen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Scherz. Noch zuckend mit des Panthers Zähnen zerreißen sie des Feindes Herz." Schiller beschreibt 1799 in seinem "Lied von der Glocke" die Schrecken der französischen Revolution (1789). Die Frauen von Paris hatten einen Aufstand gemacht, weil es kein Brot gab und den König gezwungen, für Abhilfe zu sorgen. Das war nur ein kurzes Vorspiel der eigentlichen Revolution, bei der sich die Männer wie Hyänen und Panther gebärdeten.

Im Altertum soll es aber tatsächlich Frauen gegeben haben, die zu Schwert und Bogen griffen, sich aufs Pferd schwangen und auf Eroberungen auszogen: die Amazonen. Sogar Athen sollen sie belagert haben. Die Griechen waren entsetzt. Phantasien von Männern, die Frauen verachteten und sich insgeheim doch eine starke, gleichwertige Partnerin wünschten? Oder eine Sage mit einem wahren Kern? In der osteuropäischen Steppe hat man Frauengräber gefunden, die nicht nur Schmuck, sondern auch Waffen als Beigaben enthielten.
Die Griechen haben den Namen dieser Kriegerinnen als 'ohne (a-) Brust (mázos)' erklärt: Sie hätten sich die rechte Brust amputiert, um besser hauen und schießen zu können. Auf Bildern werden sie immer mit zwei Brüsten dargestellt, aber das waren keine Fotos und entsprach dem griechischen Kunstverständnis: Man wollte perfekte Körper zeigen.

Die von mir in der Zeitung vorgetragen Namenserklärung hat sich als fragwürdig erwiesen. (Diskussion)

Da die älteste Quelle, die Ilias, die Amazonen in Lykien und Phrygien auftreten lässt, müsste man annehmen, dass der Name altanatolisch ist: Lykisch amaza- könnte 'Kraft,  Streitkräfte' oder 'Festung bedeuten. Dieses Wort ist nur erschlossen, nicht überliefert.

Ihre ersten Auftritte sollen sie nach Homer vor dem Trojanischen Krieg gehabt haben in zwei anatolischen Landschaften:

  • Lykien (Südwest-Türkei). Herodot berichtet, dass die Lykier ihren Stammbaum auf die Mutter zurückführten, nicht auf den Vater, und nach ihr richtete sich auch der gesellschaftliche Stand.

  • Phrygien (Zentraltürkei). Dort verehrte man die Große Mutter Kybele, die später auch in Rom abgebetet wurde.

Herodot selbst behauptet, sie hätten in der Gegend des heutigen Amasya gelebt und seien von den Griechen besiegt worden. Die hätten die gefangenen Amazonen auf ihren Schiffen abtransportiert, wurden aber von den Frauen umgebracht. Da sie keine Erfahrungen in der Seefahrt hatten, seien sie erst mal hilflos auf dem Schwarzen Meer getrieben und schließlich auf der anderen Seite an Land gekommen, wo die Skythen wohnten. Sie stahlen sich Pferde und machten den Skythen das Leben sauer. Dieses Volk hat dann die wilden Weiber gebändigt, indem sie ihnen ihre jungen Männer schickten. Ihre Nachkommen wären die Sarmaten (zwischen Don und Wolga). Das ist die Gegend, wo man die Frauengräber mit Waffen und eingeschlagenen Schädeln gefunden hat. Herodot berichtet, dass die Frauen die gleichen Kleider wie die Männer trugen, Waffen führten, auf die Jagd gingen und mit in den Krieg zogen.

Der Name dieser Kriegerinnen lebt fort in dem des Amazonenstroms, portugiesisch und spanisch Rio Amazonas. Der Name kommt daher, dass die spanischen Eroberer 1542 auf diesem Strom von Indianern angegriffen wurden, die unter dem Kommando von "Amazonas" standen. Das waren wohl keine hauptberuflichen Kriegerinnen, eher weibliche Stammesoberhäupter, die auch während der Kampfhandlungen das Sagen hatten. Ob das bei den antiken Amazonen genauso war? Oder gab es dort eine Wehrpflicht auch für Frauen?

   

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Echo Online

 

Datum: 21.09.2010

Aktuell: 26.03.2016