Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Kirchenmaus

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

In der Kirche gibt es keine Katze, da braucht also eine Maus keine Angst zu haben, sollte man meinen. Unsre Katzen haben sich in der Kirche aber pudelwohl gefühlt. Sie waren kaum wieder hinauszubringen und liebten Orgelmusik. Kirchenkatzen gibt es also. Aber Kirchenmäuse kann es nicht geben. Wovon sollten sie auch im Gotteshaus leben? Lebensmittel werden dort nicht gelagert. Sie wären wirklich arm dran: nichts zu fressen und nicht vor der Katze sicher.

Möpse mopsen und Mäuse mausen. Beide stehlen Lebensmittel. Bei mopsen denken wir an das Lied vom Mops, der in die Küche ging und dem Koch ein Ei stahl. Ein wohlerzogener Hund mopst nicht. Mäuse aber sind ungezogen und bedienen sich an unsern Vorräten. Schon die alten Inder sagten "mûsh mushnâti", die Maus maust, stiehlt. Das deutsche mausen bedeutet aber in erster Linie 'Mäuse fangen', etwa im Sprichwort: "Die Katze lässt das Mausen nicht."

In den indogermanischen Sprachen war mûs nicht nur das Nagetier, sondern auch der 'Muskel'. Noch heute nennen wir den Fleischballen unterhalb des Daumens Maus. Das lateinische mûsculus 'Muskel' bedeutet eigentlich 'Mäuschen'. Einen ähnlichen Ursprung hat Muschel, das Weichtier, das in der Schale lebt.
Altindisch mushkás hatte eine andere Sonderbedeutung: 'Hode'. Das entsprechende persische muschk 'Moschus' ist ein Duftstoff, den man aus speziellen Drüsen des Moschushirsches gewinnt. Lateinisch muscatus 'duftend' steckt im Namen der Muskatnuss und des Muskatellerweins.

Würziger Muskateller und Moschusparfüm wurden wohl auch von den "Drei Musketieren" nicht verschmäht, die so trefflich mit dem Degen umzugehen verstanden. Aber nicht nach den Düften sind sie benannt, sondern nach der Muskete, einem schweren Vorderlader des 17. Jahrhunderts. Lateinisch muschetta ("musketta") war  eine Art stationäre Armbrust; dieses Wort wurde auf das Feuerrohr übertragen. Vergleichspunkt war ein zur Jagd abgerichteter Sperber (muscetus), der pfeilschnell auf kleine Vögel losschoss, sie ergriff und dem Jäger brachte. Grundwort ist ein vulgärlateinisches muscius 'kleiner Vogel', verwandt mit Maus im Sinne von 'kleines Tier'.
Bei der Benennung des Geschützes hat wohl auch eine Rolle gespielt, dass die Muschetta wie die Muskete leichte Munition verschoss. Die schweren Schleudermaschinen und Kanonen dagegen hatten große Steine und Kugeln geladen. Einen Kanonentyp nannte man nach den Falken Falkone.

 

 

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

Redensart | südhessisch

 

Datum: 17.05.2011

Aktuell: 26.03.2016