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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Heiße Getränke

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Heißes Wasser trinken wir als Kakao, Kaffee oder Tee. Die Zutaten, Blätter und Fruchtkerne, wachsen in heißen Ländern und die Rezepte stammen aus China, Äthiopien und Mexiko und alle tragen noch ihre ursprünglichen Namen.

Die Azteken in Mexiko tranken Kakao, kalt mit Wasser verrührt, ohne Zucker, aber mit anderen Gewürzen. Dazu sagten sie chokolaia (tsch-) 'Kakao trinken'. Diesen Ausdruck hatten sie von ihren südöstlichen Nachbarn, den Mayas. In deren Sprache werden mit ‑ol Verben gebildet wie bei uns mit -ieren. Choko- ist verkürzt aus chukwa 'Kakaotrunk', wohl eine Dialektvariante von kakaw 'Kakao'. Die Azteken nannten das braune Pulver cacao-tl und schufen aus dem Verb einen neuen Namen für das Getränk: chocola-tl. Die Endung -tl kennzeichnet Substantive. Die Spanier ersetzten sie durch ihre Anfügung -te. So wurde aus chukwa die europäische Schokolade.

Den Namen des Kaffees haben uns die Italiener (caffé) über die Türken (kahve) von den Arabern vermittelt. Die nennen das Getränk qahwa und den Strauch bunn, beides aus Äthiopien und dort bunna genannt. Bunn hat nichts mit der Kaffeebohne zu tun. Das sehen wir daran, dass die Türken, Italiener und Franzosen sie mit einem Kern vergleichen,[1] die Israelis, Finnen, Engländer und Niederländer wie wir mit der Hülsenfrucht[2].

Der Tee heißt auf Nordchinesisch chá ("tšʰa"). In Südostchina sagt man te. Wir erkennen daran die Handelsverbindungen: Die Holländer brachten die begehrte Ware mit Schiffen von der chinesischen Küste und verkauften sie als thee in ganz Westeuropa. Mongolische und türkische Händler kauften in Nordchina chá-yè 'Teeblätter' und schickten sie als tschaj über die Seidenstraße in den Orient und nach Osteuropa.

Es ist gar nicht selbstverständlich, dass das chinesische Wort auch andere Aufgussgetränke bezeichnet. Die romanischen Sprachen und das Englische nennen den Absud aus Kamille oder Malve infusion oder infuso[3], eigentlich 'Einguss, Eingegossenes'.

Als milde Alternative zum chinesischen Tee ist der südafrikanische Rooibos beliebt, auf Deutsch Rotbusch. "Rot" sind die fermentierten Zweige, nicht die Pflanze. Der Name stammt aus dem niederländischen Dialekt Afrikaans. Die Holländer hätten den Tee roodbos genannt.

In Südamerika trinkt man Tee aus Blättern und Stängeln einer Stechpalmenart. Er wurde bekannt unter dem Namen Mate, in der Sprache der Quechua mati 'Flaschenkürbis, ein daraus hergestelltes Gefäß, Tee'.

Die Namen der Inhaltsstoffe Koffein und Thein sind aus lateinisch coffea, thea gebildet. Kakao enthält Theobromin, zu griech theós 'Gott' und brôma 'Speise'. Woraus die Götterspeise Ambrosia bestand, ist nicht überliefert. Wackelpudding oder Schokolade war es sicher nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] türk. çekirdek kahve (nicht bunn), frz. grain de café, it. chicco di café 'Kaffeekern, -korn'

[2] hbr. pol-moka 'Mokkabohne', finn. kahvipapu, engl. coffee bean, ndl. koffieboon 'Kaffeebohne'

 

 

 

 

[3] span. infusión, engl., frz. infusion, it. infuso 'Kräutertee'

 

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Echo Online

 

Datum: 21.06.2011

Aktuell: 26.07.2016