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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Helden

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Ein Held ist, sagen wir heute, wer Zivilcourage zeigt, Bedrängte in Schutz nimmt oder einen Hilflosen vor dem heranbrausenden Zug von den Gleisen holt und dabei Gesundheit oder Leben riskiert. Als Held galt vor hundert Jahren ein Soldat, der mitgeholfen hatte, den Krieg gegen Frankreich zu gewinnen. Die gefallenen "Helden" des 1. Weltkriegs wurden im 3. Reich am Heldengedenktag geehrt. Der 1948 wieder eingeführte Volkstrauertag trägt dem heutigen Verständnis Rechnung, dass die Millionen Kriegstoten und von den Nazis Ermordeten keine Helden, sondern Opfer waren.

Helden nennen wir auch die Hauptpersonen in erzählenden Werken, ob vorbildlich oder nicht. Henrik Ibsens "Peer Gynt" ist ein Taugenichts, mit dem sogar der Teufel nichts anfangen kann. Umgekehrt beweist der junge Kasper im "Räuber Hotzenplotz" immer wieder Mut.

In der mittelalterlichen deutschen Literatur ist Held ein poetischer Ausdruck für die berühmten Personen der Vergangenheit. Die zeichneten sich vor allem durch Kriegstaten aus. Im Nibelungenlied (um 1200) ist Held dasselbe wie der zeitgenössische Ritter und der altertümliche Recke 'Verbannter, Abenteurer' und Degen 'Krieger im Gefolge eines Fürsten'. Auch im Hildebrandslied (9. Jahrhundert) werden Held, Degen und Recke im Sinne von 'Krieger' gebraucht. Dies scheint auch die Grundbedeutung von germanisch hálithas 'Held' zu sein. Dann lässt sich diese Vokabel zusammen mit hildja 'Schlacht' zurückführen auf indogermanisch kol-ets 'Schläger' und kel-dhis 'Schlacht' zu einer Wurzel kel- 'schneiden, hauen, stechen'. Alle diese Wörter für 'Krieger' aus altgermanischer Zeit wurden mit den alten Sagen bis in die moderne Nacherzählung weitergereicht.

Der deutsche Held wurde mit dem griechischen hêrôs gleichgesetzt. Die antiken Heroen wie Perseus, Herakles, Achill waren keine Muskelmänner, die von Sieg zu Sieg eilten, sondern tragische Gestalten, die Schicksalsschläge verkraften mussten, nicht immer vorbildlich handelten und manchmal kein rühmliches Ende fanden. Aber nach ihrem Tod genossen sie kultische Verehrung, weshalb man ihnen eine himmlische Herkunft als Halbgötter nachsagte. Sie galten als Schutzpatrone von Stämmen und Städten. Das Wort hêrôs (aus sêrows) kommt von indogermanisch ser- 'hüten, schützen'.

Die Heldensagen waren keine mündlich weitergegebenen Erzählungen, sondern Lieder, die von besonders ausgebildeten Sängern gedichtet oder umgedichtet und vorgetragen wurden. Diese Geschichten leben in schriftlicher Form als poetisches Epos oder Prosa-Roman bis in die Gegenwart weiter. Beispiele sind die griechische Ilias (Kampf um Troja) und das mittelhochdeutsche Nibelungenlied.

 

 

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Echo Online

 

Datum: 16.11.2011

Aktuell: 26.07.2016