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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Perchten am Berchttag

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Der Dreikönigstag hieß früher Berchttag. Nach ihm sind die Perchten benannt. Was hat es damit auf sich?

In den Ostalpen ziehen jetzt verkleidete Gestalten durch die Straßen, die Perchten, einige mit scheußlichen Teufelsmasken, die "schiachen Perchten". Bairisch schiach bedeutet 'hässlich', verwandt mit scheu, schüchtern 'zurückhaltend', scheuchen 'verjagen' und scheußlich 'abschreckend'. Neben diesen hässlichen Gestalten gibt es auch "schöne", vor denen man keine Angst haben muss.

In anderen Gegenden sind die Perchten unbekannt. Der Verkleidungsbrauch selbst aber ist weit verbreitet: Halloween, Martin, Nikolaus, die drei Könige, Fastnacht, Kirchweih: überall gibt oder gab es die Sitte sich zu verkleiden und so durch die Straßen oder in die Häuser zu gehen. In unsrer Gegend sprach man nicht von Perchten, sondern von Nickeln. Sie trugen je nach Kostüm Namen wie Pelznickel oder Strohnickel. Nickel kommt von Nikolaus, nach dem Namenspatron des 6. Dezember. Die Nickel verkörperten nicht die Heiligen, sondern trugen ihre Namen nach dem eigentlichen Tag ihres Auftritts.

Auch die Perchten (mit altem süddeutschem p) sind nach ihrem Termin benannt, dem Berchttag. Das war der alte deutsche Name des Epiphaniasfestes (6. Januar). Griechisch epi-pháneia war das 'Sichtbarwerden, Erscheinen', daher der heutige deutsche Name Erscheinungsfest. Gemeint war das Aufleuchten der göttlichen Herrlichkeit in Christus. In der Alten Kirche feierte man am 6. Januar die Taufe Jesu, später auch seine Geburt und den Besuch der Magier, denen der Stern "erschienen" war.

In Berchttag steckt das althochdeutsche beraht 'scheinend, hell', enthalten in Namen mit bert und brecht. Die englische Entsprechung ist bright 'hell'. Der Knecht Ruprecht ist nicht der "raue Percht", sondern er hat einen normalen Namen, den auch ein deutscher König trug, der 1400-1410 regierte, althochdeutsch hruod-beraht 'ruhmglänzend'. Die heutige Namensform ist Robert.

Die Perchten sind also verkleidete Gestalten, die am Berchttag umgehen. Ihnen zugesellt ist die "Frau Perchta" oder Bertha (ebenfalls ein normaler Name). Ihr entspricht in Italien die Hexe Befana, verballhornt aus dem Festnamen Epifania. Sie bringt angeblich den italienischen Kindern die Geschenke.

Was steckt hinter diesen Bräuchen? Ein Spiel mit der Angst im Dunkeln? Und mit den Möglichkeiten, die sich durch Kostüme und die Kunst des Maskenschnitzens ergeben? Oder handelt es sich um Überlieferungen aus der vorchristlichen Zeit? Die Angst kennen wir. Über die vorrömischen Bewohner Mitteleuropas wissen wir fast gar nichts. Sie haben uns keine Nachrichten hinterlassen, nur Scherben und Knochen.

 

 

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Echo Online |  Sprachecke 06.01.2003 28.12.2004 | Begriffe: Feiertage

 

Datum: 03.01.2012

Aktuell: 26.03.2016