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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Zahlenspielereien

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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In runden Beträgen stecken oft gerade Zahlen. Was steckt hinter "gerade" und warum sagen wir "Primzahlen"?

Gerade Zahlen sind durch Zwei teilbar, daher findet sich unter ihnen keine einzige Primzahl (außer 2), denn diese sind unteilbar. Das Gegenteil sind aber nicht krumme, sondern ungerade Zahlen. Davon zu unterscheiden sind die "krummen Geldbeträge", mit Kleingeld und nicht nur in Euros oder in Scheinen. Bei Preisen ist das normal. Da wurde nicht zu unsern Ungunsten "aufgerundet". Bei Geldgeschenken oder Spenden geben wir lieber "runde Summen", in Scheinen, weil das für den Geber und den Empfänger die einfachste Möglichkeit ist.

Ein merkwürdiger Sprachgebrauch also, der in sich nicht schlüssig ist. Denn rund und krumm sind sonst kein Gegensatz. Während wir aber unter rund eine geschlossene Linie ohne Ecken verstehen, eine geschlossene Einheit, meinen wir mit krumm nur einen Teil davon, weder gerade noch gleichmäßig rund. Krumm klingt also nach 'nicht richtig' (wie bei der "krummen Tour") und nach 'nicht abgeschlossen' (wie beim "krummen Betrag").

Was aber steckt hinter dem Ausdruck "gerade Zahl"? Germanisch rada war die 'Zahl', verwandt mit lateinisch ratio 'Rechnung, Erwägung, vernünftiges Denken, System' und althochdeutsch radja 'Äußerung, Überlegung, Rechenschaft' (unser Rede). Mittelhochdeutsch ge-rad war 'in gleicher Anzahl, paarweise gruppiert, so dass nichts übrig bleibt', auch 'abwechselnd redend, gleichmäßig verteilt, gleich'. Von der Bedeutung 'gleichmäßig' kam man auf 'gleichmäßig gewachsen' und zu der heutigen Bedeutung 'nicht krumm'.

Bei der geraden Zahl haben wir also noch die ursprüngliche Bedeutung 'in gleicher Anzahl'. Das hängt damit zusammen, dass man in alter Zeit nicht mit abstrakten Zahlen gerechnet hat, sondern mit konkreten Mengen. Man muss nicht die Gesamtzahl aller Äpfel und Interessenten wissen, wenn man sie verteilen will, sondern man gibt abwechselnd jedem eine Frucht, bis nichts mehr da ist. Am Schluss hat jeder die gleiche Menge. So entstand der Ausdruck "gerade Zahl": gleichmäßig in zwei Teile geteilt.

Nun gibt es noch ein anderes gerade, das als Adverb gebraucht wird: "Ich bin gerade heimgekommen". Dies geht zurück auf ein Grundwort hrad 'schnell', althochdeutsch rad und gi-radi. Dieses unerklärte Wort könnte mit dem runden Rad verwandt sein, dessen Grundbedeutung 'Läufer' ist.

Der Ausdruck Primzahl wurde im 16. Jahrhundert gebildet nach lateinisch numerus primus 'die erste Zahl'. Der lateinische Begriff war schon im Mittelalter gebräuchlich. Primus deutet an, dass es sich um die "Atome" der Division handelt. Durch weiteres Teilen entstehen Zahlentrümmer, fachsprachlich Brüche (1/2).

 

 

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Zahlwörter | Begriffe: Mathematik

Sprachecke: 23.06.2005 | 30.06.2005 | 10.01.2012 | 24.01.2012 | 31.01.2012

 

Datum: 17.01.2012

Aktuell: 26.03.2016