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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Legion Nr. 22

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Leserfrage

 

Die Römer nummerierten ihre Kinder und Legionen, ohne zu wissen, was eine Nummer ist. Wie ist dieser Begriff entstanden?

Nummern, Nummern, Nummern - überall nichts als Nummern: Kontonummer, Telefonnummer, Steuernummer, Versicherungsnummer, Paragraph, Gesangbuchnummer, Kapitelnummer, Seitenzahl.

Die Nummer kann an die Stelle des Namens treten. In manchen Gegenden tragen die Häuser Namen, statt oder neben der Hausnummer. Unser Auto hat keinen Namen, aber es kann durch seine Autonummer eindeutig identifiziert werden.

Zahlen kennzeichnen eine Menge, Nummern den Platz in einer Reihe: "Das Jahr hat zwölf Monate" (Zahl). "Der Monat Nr. 5 ist der Mai." Die Zahlen entsprechen also in der Grammatik den Kardinalzahlen (fünf), die Nummern den Ordinalzahlen (der fünfte). Es ist gar nicht selbstverständlich, dass wir Zahl und Nummer unterscheiden.

Der Gedanke selbst ist alt. Die Römer nummerierten ihre Legionen und ihre jüngeren Kinder: Tertia 'Kind Nr. 3', Quintus 'Kind Nr. 5'. In Mainz war die Legio XXII Primigenia '22. Legion, die Ursprüngliche' stationiert. (Was der Beiname besagen soll, ist unbekannt.) Die Römer vergaben Nummern, aber sie hatten kein eigenes Wort dafür. Numerus bezeichnete 'Zahl' und 'Nummer'. Allenfalls unterschied man noch die sichtbare nota 'Zeichen, Buchstabe, Ziffer' vom nur gedachten numerus.

Der Begriff "Nummer" entstand, als wir Mitte des 16. Jahrhunderts das italienische numero 'Zahl, Nummer' in unsre Sprache übernahmen, zunächst mit der italienischen Lautung. Gemeint waren wohl die fortlaufenden Kennziffern, mit denen die Kaufleute Beleg und Buchung einander zuordnen. Bis in unsre Zeit hat sich die italienische Abkürzung №, No. (heute Nr.) gehalten. Um 1700 wurde das Wort eingedeutscht als Numer, bald darauf mit -mm- als Zeichen des kurzen u. Bei der Rechtschreibreform  von 1996 bekam auch "numerieren" ein zweites m. Das italienische numero ist männlich. Nach einigem Hin und Her haben wir uns für die weibliche Form entschieden, wohl weil man "Numero" sagte und "Zahl" dachte.

So kommt es also, dass sich die Italiener und Angelsachsen mit e i n e m Wort (numero, number) begnügen müssen, wo wir und die Franzosen (nombre 'Zahl', numéro 'Nummer') zwei haben.

Dass Nummer auf lateinisch numerus 'Zahl' zurückgeht, kann man überall nachlesen, auch dass dieses Wort mit nehmen verwandt ist. Was aber haben Nummer und nehmen miteinander zu tun? Das indogermanische Grundwort nem- war 'zuteilen', nämlich eine bestimmte Menge von der Jagd- oder Kriegsbeute. So kam es zu den drei Bedeutungen 'Anzahl' (numerus), aus Sicht des Verteilers 'geben' (griechisch némein 'austeilen') und aus Sicht des Empfängers nehmen.

 

 

   

 

Leserfrage

Im Spanischen wird für Zahl und Nummer das Wort número verwendet wird. Nombre hat die Bedeutung 'Name'. Inwieweit Nummer und Name verwandt sind, ja, ob es überhaupt eine Verwandtschaft gibt, weiß ich nicht.

Meine Antwort

Span. nombre 'Name' und franz. nombre 'Zahl' sind nicht verwandt, sondern haben nur zufällige Übereinstimmung in der Lautgestalt.

Das b ist in beiden Wörtern ein Gleitlaut zwischen m und r, vergleichbar mit franz. chambre 'Zimmer' aus camera.

Französisch nombre kommt also über nomre aus numerus 'Zahl',

aber spanisch nombre über nomine aus lateinisch nomen 'Name'. Ähnlich ist es hombre 'Mensch, Mann' ergangen, das aus homine, lat. homo / hominis entstanden ist.

   

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Zahlwörter | Begriffe: Mathematik

Sprachecke: 23.06.2005 | 30.06.2005 | 10.01.2012 | 17.01.2012 | 24.01.2012

 

Datum: 31.01.2012

Aktuell: 16.02.2018