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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Entlarvung der Masken

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Es ist schwer, hinter eine Maske zu schauen. Sogar die Wörter für 'Maske' sind maskiert. Was steckt dahinter?

Die Maske narrt die Forscher durch ihr arabisches Kostüm. Früher spielte sie Hexe. Die Larve hat sich als Raupe verkleidet. Der mittelalterliche Schönbart sieht aus wie der Weihnachtsmann. Und die germanische Grima geht als Schmutzfink. Alle tragen Masken.

Maske heißt auf Romanisch máscara. Das erinnert an arabisch más'chara (mit ch wie in "ach") 'lächerliche Sache', eine Ableitung von sáchira 'verspotten'. Ist die Maske eine verschleierte Araberin? Nein, denn im 7. Jahrhundert ist ein italienisches masca bezeugt, das mit lateinisch striga 'Hexe' (als Schimpfwort) erklärt wird. Auch das war nur eine Verkleidung. Ursprünglich war masca ein Gespenst, das Alpträume verursachte. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen, wenn hinter der Araberin eine Hexe und hinter der Hexe ein Gespenst zum Vorschein kommt.
Dabei hat schon Jacob Grimm 1835 mal kurz hinter die Larve geschaut und erkannt: Masca kommt von lateinisch mastigâre, romanisch mascâre 'kauen'. Masca 'Fresserin' war also der Name eines bösen Geistes. Vom Dämon zur Hexe und zur Maske ist wirklich kein weiter Weg.

Larve (lateinisch larua) nennen wir heute das Jugendstadium des Insektes, etwa bei der Raupe, die sich verpuppt und als Imâgo (Schmetterling) wiedergeboren wird. Im Hessischen ist heute noch Larve eine 'Maske'. Imâgines 'Bilder' nannten die Römer die Wachsmasken ihrer Ahnen. Larva und Imago sind Masken, die das Insekt im Laufe seiner Entwicklung aufsetzt.
Die Maske lässt sich entlarven, aber die Larve nicht demaskieren. Lateinisch larua 'Gespenst', später 'Maske', kommt von Lar 'Art Geist', altlateinischer Plural Lases, etruskisch Lasa 'eine niedere Gottheit'. Hinter jeder Verkleidung kommt eine andere zum Vorschein.

Larve und Maske sind Fremdwörter. Vor 500 Jahren sagte man Schönbart 'mit prächtigen Kinnhaaren'. Der alte Name war scheme, verdeutlicht als schem-bart und missdeutet als "Schönbart". Aber was ist scheme? Man hat es mit Schemen 'Schatten, Schattenbild' in Verbindung gebracht, das aber ursprünglich schime lautete. Schembart kommt eher von griechisch schêma 'Haltung, Aussehen', lateinisch auch 'Gesichtsausdruck'.

Die Germanen hatten ein anderes Wort, grima, das in Skandinavien und England außer 'Maske' auch 'Helm' bedeutet hat und bei uns nur in Namen erhalten ist. Hängt das mit englisch grime 'Schmutz', ursprünglich 'Schminke' zusammen? Die Bedeutung 'Maske' ist aber älter. Grimasse 'verzerrtes Gesicht' und spanisch grima 'Grausen' weisen auf eine "grimmige" Miene. Grima hat sich also nur ein Bärtchen angeklebt, das lange i, und kommt von Grimm.

 

 

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Begriffe: Fastnacht | Feiertage | Verkleidung

 

Datum: 21.02.2012

Aktuell: 02.05.2018