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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Fremde Wörter

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Es gibt deutsche Wörter, die uns fremd sind, und Fremdwörter, denen man ihre ausländische Herkunft nicht ansieht.

Souterrain und Basement sind Fremdwörter, das merken wir schon an den andersartigen Wortbildern, die nicht mit unsern Gepflogenheiten übereinstimmen. Das erste ist französisch, das zweite englisch. Aber Keller ist doch deutsch, oder? Wir sprechen, wie wir schreiben und schreiben, wie wir sprechen. Richtig! Dieses Wort gehört zum Grundbestand der deutschen Sprache, stammt aber aus dem Lateinischen, aus einer Zeit, als die Römer am Rhein das Sagen hatten und die Germanen die römischen Steinbauten kennen lernten. Darin befanden sich Zimmer und Vorratskammern, lateinisch cellae. Eine davon, die Speisekammer, hieß cellarium. Später sagten die Römer "zélla, zellârium", aber damals hörten die Germanen "kellârium" und sagten "kéllari", daher unser Keller 'Vorratslager'. Die Bedeutung 'unterirdischer Raum' kam erst in der Neuzeit auf.

Die Germanen hatten Grubenhäuser, mit Mist bedeckt und darum im Winter schön warm. Sie wurden nach der Schicht auf dem Dach Dung 'Bedeckung' genannt. Düngen hatte noch im Spätmittelalter die alte Bedeutung 'bedecken', wurde aber damals schon gebraucht für die gelegentliche Bodenverbesserung durch Mergel oder Mist. Seit dem 18. Jahrhundert wurde das Vieh nicht mehr auf der Weide, sondern im Stall gehalten. So hatte man jede Menge Mist, der nun regelmäßig auf die Äcker ausgebracht werden konnte. Da es die "Dung-Räume" nicht mehr gab, bekam Dung die Bedeutung 'Mist zur Bodenverbesserung'. Für den "künstlichen Dung" kam die Neubildung Dünger auf.

Dieser Ausflug in die Kulturgeschichte hilft uns zu verstehen, was es mit den Fremdwörtern auf sich hat:

Mit dem Keller lernten die Germanen die Speisekammer kennen und übernahmen dafür das lateinische Wort in der ursprünglichen Lautung mit k. Mit der Übernahme hat es sich vom Lateinischen abgekoppelt und damit von der weiteren romanischen Entwicklung wie zum Beispiel bei spanisch cillero 'Gewölbe, Speicher, Scheuer'.

Das neue Wort hat das alte nicht verdrängt. In Augsburg hieß noch im 19. Jahrhundert die unterirdische Weberwerkstatt Dunk. Die alte Vokabel ging vielmehr mit der Sache verloren, weil sich die Bau- und Lebensgewohnheiten geändert hatten.

Die Sprachwissenschaft unterscheidet zwischen dem "Fremdwort" aus einer anderen Sprache (Keller) und dem einheimischen "Erbwort" (Dung). Ferner hat man versucht, die eingedeutschten "Lehnwörter" (Keller) von den eigentlichen "Fremdwörtern" mit exotischem Wortbild (Souterrain) abzugrenzen. Das geht nur bei den ältesten Vokabeln, die die spätere deutsche Sprachentwicklung mitgemacht haben wie Speicher aus spicârium.

 

 

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Echo Online

 

Datum: 06.03.2012

Aktuell: 26.07.2016