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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die beste Zeit

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Mai

Maien

maien

Wonnemonat

 

"Der Mai, der liebe Maien, das ist die beste Zeit, er lässt die Liebe blühen, sobald der Kuckuck schreit."

So behauptet ein Volkslied und hat sicher Recht. Die Bäume sind grün, die Blumen blühen, die Vögel singen und in unsern Herzen sind Frühlingsgefühle erwacht.

Kein Wunder, dass wir diesen Monat den Wonnemonat nennen! So wahr das aber mit der Maienwonne ist - dieser Name beruht auf einem Missverständnis: Karl der Große hat versucht, einheitliche deutsche Monatsnamen einzuführen, die sich aber nicht durchgesetzt haben. Den Mai nannte er winnemānōth 'Weidemonat', wie auch die anderen Monate nach landwirtschaftlichen Tätigkeiten benannt wurden. Die damalige "englische" Aussprache des w führte dazu dass man "wünne-" sprach und wenig später "wunnimanod" schrieb. Danach wird der Weidemonat nicht mehr erwähnt. Als man im 15. Jahrhundert die alten Namen wiederbelebte, wusste man nichts mehr von winne 'Weide', dachte an die Freuden dieser lieblichen Zeit und modernisierte den Namen als "Wonnemonat".

Aber man sagt doch auch maien 'ein Fest besuchen, Leute treffen, plaudern'! Das mittelhochdeutsche Verb meien bedeutete gar 'sich amüsieren, tanzen, fröhlich sein'. Es hat aber mit dem Monatsnamen nichts zu tun, sondern meint 'hochgemut sein', zu einem indogermanischen Wort, das auch lateinisch māius 'größer' ergeben hat. Die schöne gehobene Stimmung kann umschlagen ins Unangenehme, daher althochdeutsch gimeit 'hochmütig'. Mittelhochdeutsch gemeit 'fröhlich' hat einen positiven Klang.

Patin des lateinischen Monatsnamens Māius ist die römische Göttin Māia, die sich mit ihrem Mann, dem Feuergott Vulcanus, am 1. Mai ein Opfer teilte. Die Etrusker hatten einen Gott mit ähnlichem Namen, Velchans, nach dem sie den März, Velcitna, nannten. März und Mai sind durch den April, etruskisch Apiras, getrennt: abgeleitet von indogermanisch aperos 'weiter weg, später, zweiter'. Der April ist also der Monat nach dem März. Ähnlich sagten die alten Inder apara-pakschá 'die zweite Monatshälfte', die Goten afar-dags 'der folgende Tag'.

Maia ist die 'größere, ältere Göttin' (lateinisch māior) im Unterschied zur jüngeren (iūnior) Juno, der Patin des Juni. Welche Bedeutung Maia im frühen Rom hatte, wissen wir nicht. Sie war im späten Kaiserreich schon fast vergessen.

Weniger rätselhaft sind die Maien 'grüne Zweige', abgeleitet von Maie, der alten Form des Monatsnamens. Maien lässt sich vor 1500 im Deutschen nicht nachweisen, wohl aber im Altfranzösischen (vor 1400). Dort bezeichnete mai nicht nur den Monat, sondern auch das Fest am ersten Mai und die grünen Zweige, mit denen man die Häuser schmückte. Das deutsche Wort kommt demnach aus dem Französischen.

 

 

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Datum: 02.05.2012

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