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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Zwoter Juno

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Das Spiel hätte am 2. Juni sein sollen. Es trat aber nur eine Mannschaft an. Der anderen hatte man gesagt, dass am 2. Juli gespielt würde.

Bei der Terminabsprache hatte der Vertreter der Gegenmannschaft "Juli" statt "Juni" gehört. Er wäre aber nicht auf die Idee gekommen, bei "Spiel" an Schach oder Musik zu denken. Die genaue Bedeutung dieses Wortes hat sich aus dem Zusammenhang ergeben. Kleine Fehler beim Sprechen, Schreiben, Übermitteln, Hören, Lesen schaden normalerweise nichts. Anders ist es bei Namen, Zahlen und Datumsangaben. Da kommt es auf jeden einzelnen Laut an.

Spätestens mit dem Telefon wurde es nötig, solche Informationen eindeutig weiterzugeben. Daher sagen wir zwo und nicht zwei, das leicht mit drei verwechselt werden kann. Im militärischen Sprachgebrauch ist zwo sogar Vorschrift. Wahrscheinlich ist diese Wortform beim Militär oder bei der Seefahrt entstanden, wo Anweisungen vor allem mündlich erteilt werden. Um 1900 taucht zwo auch in der schönen Literatur auf, scheint also schon damals allgemein gebräuchlich gewesen zu sein. Zugrunde liegt die weibliche Form des Zahlworts, das bis ins 18. Jahrhundert für jedes Geschlecht eine eigene Form hatte: "zween Männer, zwo Frauen, zwei Kinder". (Leserbrief) Zweiter kann nicht verwechselt werden. Zwoter ist neu von zwo abgeleitet.

Die Unterscheidung von Juno und Julei ist erst seit 1960 nachzuweisen. Vorher hat sich niemand an der Ähnlichkeit gestört. Die Vokale sind zwar dieselben wie bei zwo und zwei. Da Juleí im Unterschied zu Jûno hinten betont wird, scheint die Aussprache des englischen Monatsnamens Pate gestanden zu haben.

Der lateinische Name des sechsten Monats, Iûnius, wurde von Marcus Terentius Varro (116-27 v. Chr.) als Ableitung von iûnior 'jünger' erklärt, so wie er Mâius als mâior 'größer, älter' verstanden hat. Tatsächlich ist der "größere" Monat länger als der "jüngere". Der Juni ist der kleine Bruder des Mai.

Genauso waren auch die beiden folgenden Monate ein Paar: Juli und August hießen ursprünglich Quintîlis, Sextîlis, Nr. 5 und 6 (gezählt ab März). Die jetzigen Namen erinnern an Julius Caesar und Kaiser Augustus. Die Römer haben die Monate nicht besser behandelt als ihre Kinder: Nur die Ältesten bekamen richtige Vornamen wie Mârcus oder Lûcia, während die jüngeren einfach durchgezählt wurden, von Quinta 'Fünfte' bis Decimus 'Zehnter'. So haben sie es auch mit den Monaten gemacht: Januar bis Juni haben Namen, die übrigen Nummern: September war Monat Nr. 7 (séptem), Dezember Nr. 10 (décem).

Durch die römische Umbenennung bekam Juli eine ähnliche Lautgestalt wie Juni, sodass wir ihre Namen beim Hören verwechseln können und eine "zwote" Namensänderung in Juno und Julei notwendig schien.

 

 

   

 

Leserbrief:

Wussten Sie, dass man im Odenwälder Dialekt heute noch zwischen zwäi, zwo und zwa unterscheidet? Man sagt zwäi Männer, zwäi Gail - zwo Weibsleit - zwo Kieh und zwa Kinner, zwa Hinkel.

 

 

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Monatsnamen | Sprachecke 25.04.2006 | 02.05.2012 |  24.07.2012

 

Datum: 05.06.2012

Aktuell: 26.03.2016