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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Fallende Sterne

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die Sterne sind dem Himmel vorbehalten. Manchmal aber fallen welche auf die Erde und bringen Glück oder Unglück.

Glück hatten unsre Vorfahren, weil ihnen Meteoriten das erste Eisen geliefert hatten, das die Sumerer an-bar 'Himmelsmetall' nannten und die Ägypter ba(r)-ni-pe 'Mineral des Himmels'. Manchmal können also die gefallenen Sterne nützlich sein. In den meisten Fällen richten sie wenigstens keinen Schaden an. Große Brocken aber haben mehrfach Katastrophen ausgelöst. Wir sind auch in Zukunft nicht davor sicher.

Einen Fall besonderer Art hat Luzifer getan. Das soll ein Engel gewesen sein, der sich gegen Gott aufgelehnt hatte, aus dem Himmel geworfen und zum Teufel wurde. Dieser Mythos wird bereits in der Bibel angedeutet. Da heißt es in einem Spottlied über den König von Babel: "Wie bist du vom Himmel gefallen, Glanzlicht, Sohn der Morgenröte!"[1] Das "Lucifer" der lateinischen Bibel hat man auf den gefeuerten Teufel bezogen. Damit hatte er seinen Namen weg.

Lateinisch Lûcifer, griechisch phôsphóros 'Lichtbringer' war aber Name des Morgensterns: Der Planet Venus ist näher an der Sonne als die Erde, steht also immer in Sonnennähe. Er kündet am Osthimmel als Morgenstern den kommenden Tag und als Abendstern (lateinisch Vesper 'Abend') im Westen die baldige Nacht.

Mit dem Teufel verbinden wir Feuer und Schwefel, die vom Himmel gefallen sind und die sündigen Städte Sodom und Gomorra zerstört haben.[2] Im Krieg hatte Phosphor dieselbe Wirkung. Dieses chemische Element wurde erst 1699 entdeckt. Da der weiße Phosphor im Dunkeln leuchtet, bekam er den griechischen Namen des Morgensterns. In gewisser Weise ist er ja ein Teufelszeug, giftig und leicht entzündlich. Andrerseits ist er lebensnotwendig. Besonders unser Gehirn ist darauf angewiesen.[3] So bringt der "Lichtbringer" auch Licht in unsern Kopf.

Eine griechische Sage erzählt von einem anderen Himmelssturz: Ein junger Mann namens Phaethon versucht sich als Fahrer des Sonnenwagens. Aber die Pferde gehen ihm durch, er wird aus der Bahn geworfen, von Zeus abgeschossen und fällt in den Fluss Êrídanos. Seine Schwestern, in Pappeln verwandelt, weinen Tränen, die zu Bernstein werden.[4] Phaéthon 'der Leuchtende' war auch Beiname des Sonnengottes und eine Umschreibung für 'Tag'. Platon (um 400 v. Chr.) deutet diese Geschichte als Beispiel für periodisch wiederkehrende Katastrophen durch Feuer und Wasser, verursacht durch Unregelmäßigkeiten im Lauf der Gestirne.[5] Vielleicht war es weniger dramatisch: Es kommt oft vor, dass ein Gesteinsbrocken aus dem All in der Atmosphäre verglüht und für ein paar Sekunden als Feuerkugel über den Himmel rast, spektakulär, aber harmlos.

 

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SprE 01.08.2006 | 12.09.2006 | 21.12.2010 |  2012: 26.06. / 03.07. / 10.07.  | 26.02.2013

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Datum: 19.06.2012

Aktuell: 16.02.2018