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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Wilde Haustiere

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die Zugvögel sind wieder da. Wir freuen uns über diese Frühlingsboten und teilen gern mit ihnen unsern Lebensraum.

Seit alter Zeit unterscheiden wir zahme und wilde Tiere. Die einen leben mit uns zusammen wie Schwein, Pferd und Hund, werden von uns versorgt und dienen unserm Nutzen. Die anderen sind von uns unabhängig, wild, und meiden uns. Es gibt aber auch "wilde" Tiere, die ungefragt unsre Nähe suchen oder bei uns einziehen, die uns nützen und deren Anblick uns beglückt. Drei möchte ich vorstellen: Unke, Schwalbe und Storch. Ihre Namen gehen bis in die vorindogermanische Zeit zurück, vor mehr als 5000 Jahren.

Unter Unken verstehen wir heute eine Art Kröte.[1] Im "Räuber Hotzenplotz" ist dieser Lurch eine verhexte Fee, die einem leidtun kann. Ursprünglich war Unke der Name der Ringelnatter, einer ungiftigen Schlange, die kleine Tiere, auch Mäuse frisst und daher nützlich ist.[2] So auch in älteren Märchen.[3] Die Natter galt als Verkörperung des Hausgeistes und wurde durch ein Tabu geschützt: Sie töten sollte Unglück bringen, ihre Anwesenheit Glück.[4] Unke ist verwandt mit lateinisch anguis 'Schlange', indogermanisch negwís und damit auch mit hebräisch nachasch 'Schlange'.[5]

Die Schwalbe heftet ihr Nest an die Hauswand, die Rauchschwalbe innen[6], die Mehlschwalbe außen[7], und ist ein gern gesehener Gast, weil sie Insekten frisst. Die Uferschwalbe begnügt sich mit Höhlen, die sie in die Böschung gegraben hat.[8] Schwalbe ist nur germanisch. Mit etwas Phantasie kann man noch eine Ähnlichkeit mit griech. alkyôn 'Eisvogel' entdecken, andere Verwandte sind nicht bekannt. Vielleicht aber lässt sich das Grundwort swol- mit etruskisch swal-, 'leben', swel- 'Lebewesen' erklären,[9] dessen nächste Angehörige im Georgischen überdauert haben (cxoveli 'Lebewesen).[10]

Und schließlich der Storch, der sein Nest auf Bäumen, aber auch auf Dächern baut und heute auf eigens errichteten Nisthilfen.[11] Sein "wilder" Verwandter, der scheue Schwarzstorch, hat sich in tiefe Wälder zurückgezogen.[12] Auch der Storch galt als Glücksbringer. Und vor allem als Kinderbringer.
Dieser Vogel hat zwei Namen. Den bürgerlichen, Storch, teilen wir uns mit den Balten und Slawen.
[13] Wenn wir nach den Ursprüngen dieses Wortes suchen, stoßen wir auf einen alten Vogelnamen (s)ter-, der vom Atlantik bis nach Japan verbreitet ist: baskisch txori 'Vogel', türkisch turna und japanisch tsuru 'Kranich'. Auch Drossel, Star und Strauß gehören in diese Familie.[14]
Der Künstlername, von Dichtern geprägt, ist Adebar, altniederdeutsch ódoboro. Das gehört zu altenglisch odh-béran 'wegtragen'. Was trägt der Storch weg? Den Sommer, wenn er Ende August nach Süden fliegt.
[15]

 

 

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Echo Online

Begriffe: Tiere | Sprachecke 16.09.2014

 

Datum: 26.03.2013

Aktuell: 26.03.2016