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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Antiqua und Sütterlin

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die Römer kannten nur Großbuchstaben. Heute haben wir Schreibschrift und Druckschrift mit Groß- und Kleinbuchstaben.

Die ursprünglich geritzten Buchstaben veränderten ihre Form, als man sie mit Tinte schrieb. Beim flüssigen Schreiben ist es einfacher, den Stift auf dem Papier zu lassen und nicht immer wieder hochzuheben. Das sehen wir am großen H: Bei ihm müssen wir drei Einzelstriche machen, beim kleinen h geht das in einem Zug. Dieselbe Gewohnheit bringt uns auch dazu die Buchstaben aneinanderzuhängen wie in der Schreibschrift. Da sie schwerer zu lesen ist, hat sie bei uns nie die Einzelbuchstaben verdrängt.

Davon unabhängig sind die Groß- und Kleinbuchstaben. Die Kleinbuchstaben traten an die Stelle der alten lateinischen Großbuchstaben. Bald aber erkannte man, dass ein Text leichter verständlich wird, wenn man den Anfang eines Abschnitts und Namen durch größere Zeichen hervorhebt. Feste Regeln dafür gab es lange nicht. Der protzige Barock liebte möglichst viele große, verschnörkelte Anfangsbuchstaben. Das Deutsche Wörterbuch von Grimm (ab 1854) schreibt nur die Namen groß. Die heutigen Grundsätze aber finden sich schon in der Lutherbibel von 1545.[1] Der Reformator hatte noch 1534 die Hauptwörter kleingeschrieben.[2]

Einzelne Zeichen und Schreibschrift wurden immer nebeneinander verwendet. Für wichtige mittelalterliche Dokumente bevorzugte man aber die "Druckschrift". Diese erhielt ihren Namen erst später: Gutenberg arbeitete ja mit einzelnen Drucktypen (Lettern) und konnte daher zusammenhängende Schriftzüge nicht darstellen.

Die mittelalterlichen Einzelbuchstaben, die Gutenberg als Vorbild dienten, hatten kaum noch Ähnlichkeit mit den ursprünglichen römischen Zeichen.[3] Aus ihnen entwickelte sich die verschnörkelte Frakturschrift, die wir heute gern für dekorative Zwecke verwenden. Fraktur 'Bruch' heißt sie, weil sie oft keine Bögen, sondern Ecken hat und wie gebrochen aussieht.[4] Früher war das die normale "deutsche" Schrift. Daher sagen wir: "Mit jemand Fraktur reden", mit ihm deutsch reden, ihm unmissverständlich die Meinung sagen, nicht lateinisch, das man in Antîqua schrieb.[5]

Diese "antike" Schrift orientiert sich an frühmittelalterlichen Formen und entwickelte immer klarere Schriftzüge. Sie wurde Vorläufer der heutigen lateinischen Druckschrift.[6]

Eine ähnliche Entwicklung gab es in der deutschen Schreibschrift. Sie hatte bis ins 19. Jahrhundert rundere Formen als die zackigen Buchstaben der wilhelminischen Zeit.[7] Diese wurden abgelöst von den breiteren Zeichen Ludwig Sütterlins, die zwischen den beiden Kriegen in den Schulen gelehrt wurden.[8] Seit 1941 wird nur noch die lateinische Schreib- und Druckschrift unterrichtet.[9]

 

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Datum: 28.05.2013

Aktuell: 26.03.2016