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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Secondhandshop

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Im Secondhandshop werden gebrauchte Waren "aus zweiter Hand" verkauft. Kann man das nicht auch auf Deutsch sagen?

Das alte deutsche Wort ist Trödelladen. Das hört sich nicht gut an und erinnert an trödeln, sich mit Nebensächlichkeiten aufhalten und nicht zum Ziel kommen. Der Trödler war wohl kein besonders erfolgreicher Geschäftsmann in einem verstaubten Laden in der Hintergasse voller Trödel, Bettel und Plunder, Sachen die keiner mehr brauchte. Im Vergleich zu den Treudelern des 17. Jahrhunderts war er aber immerhin seriös. Die Treudeler waren Hausierer, die ihre paar Sächelchen auf dem Rücken trugen. Bis man merkte, was sie einem angedreht hatten, waren sie über alle Berge. Die Einnahmen waren bescheiden, ein Wunder dass sie davon leben konnten.
Trödeln, hessisch trondeln war ursprünglich 'die Runde machen', nicht zielstrebig marschieren, sondern von Haus zu Haus gehen. Damit kommt man nicht weit.
[1]
Im gleichen Sinn wurde ein älteres trendeln gebraucht, rückgebildet aus Trendel 'Kreisel, Wirbel' und dies aus altenglisch trendan 'rotieren, rollen'. Um 1500, zur selben Zeit, als treudeln, trödeln aufkam, bekam auch trendeln die Bedeutung 'Kleinhandel treiben'.[2]

Heute werden wertvolle Gebrauchtwaren als Antiquitäten verkauft und gebrauchte Bücher im Antiquariat, beides zu lateinisch antîquus 'von früher'.

Alles, was nicht mehr neu ist, gibt's auch auf dem Flohmarkt. Dieser Name kam um 1880 in Paris auf, wurde durch Ansichtskarten bekannt und wird seit 1963 auch auf deutsche Altwarenmärkte angewendet. Im französischen Sprachgebrauch bezeichnet puce 'Floh' auch etwas Kleines, Unbedeutendes. So muss man Flohmarkt wohl verstehen.[3]

Auf den Flohmärkten werden auch Nippsachen verkauft, kleine Figuren, mit denen man seine Wohnung dekoriert. Vor 100 Jahren war das die große Mode. Französisch nippes sind keine Figuren, sondern 'Kleider und Schmuck', ursprünglich 'alte Kleider', abgeleitet von nipper 'ausstaffieren'. Und dies kommt von niederländisch knippen 'Kleider zuschneiden'.
Die Gauner hatten von nippes wieder andere Vorstellungen: Ihre Hausierer "versilberten" vergoldete Uhren und unechten Schmuck. Neppes nannten diese Nepper ihre Waren, mit denen sie die Kunden neppten 'betrogen'.
[4]

Die Römer schimpften über den mango 'Trödler, Sklavenhändler'. Man warf ihm vor, dass er seinen alten Kram aufpolierte und für neu verkaufte. Im Deutschen wurde daraus mangâri, später Manger 'Händler, Trödler'. Der hatte keine festen Preise, man musste mit ihm menkeln 'feilschen'. Aus diesem wortreichen "Gemenkel" wurde im 19. Jahrhundert Menkenke 'unnötige Worte, Schwindel'.[5] Das hessische Menkenkel hat die Bedeutung 'unnötiges Getue, überflüssiges Zeug' angenommen.[6]

 

 

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Echo Online | Begriffe: Kaufleute

Sprachecke 12.12.2006 | Sprachecke 17.09.2013

 

Datum: 17.09.2013

Aktuell: 18.01.2017