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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Ruhm und Ehre

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Ehrenwort, das verspreche ich dir." Wie sollte ich vor mir selbst dastehen, wenn ich mein Versprechen nicht hielte?

Ehre ist ein vielschichtiger Begriff. Wir meinen damit nicht nur das Ansehen, das wir bei anderen genießen, sondern auch die Selbstachtung. Die können wir verlieren, wenn wir unsern eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden und gegen unsre Überzeugung handeln. Die Meinung der Anderen ist demgegenüber nicht so wichtig. Ihre Gunst ist unbeständig. Man kann es nicht allen recht machen und nicht alle Erwartungen erfüllen. Trotzdem freuen wir uns, wenn man unsre Leistungen würdigt und unsre Bedeutung anerkennt. Jubilare fühlen sich geehrt, wenn ihnen der Herr Pfarrer und der Herr Landrat persönlich gratulieren. Ehrenamtliche machen ihre Arbeit unentgeltlich und manchmal auch ohne Dank und Zeichen der Anerkennung. Dabei sollte es eigentlich Ehrensache sein, dieses Engagement zu würdigen. Zum Beispiel mit einem Titel "ehrenhalber". Andere ehrenwerte Leistungen werden durchaus honoriert, belohnt, mit einem Honorar 'Vergütung für einzeln erbrachte Leistungen' - beides zu lateinisch honor 'Ehre'.[1]
Ehre ist was Ehrliches, Anständiges, sollte man meinen. Aber auch ehrlose Menschen, deren Verhalten von der Allgemeinheit nicht gebilligt wird, oder die man verachtet, weil sie anders sind, haben ein Ehrgefühl und einen strengen Ehrenkodex. Wer gegen die Regeln dieser Subkultur verstößt, wird mitunter strenger bestraft als nach den staatlichen Gesetzen, sogar mit dem Tod. Was ehrenwert ist, bestimmt die Gesellschaft, zu der man gehört.

Ruhm dagegen hat man, wenn man in Erinnerung bleibt, auch über den Tod hinaus. Im guten Sinn berühmt und im schlechten berüchtigt liegen nahe beieinander. 356 v. Chr. brannte der Artemis-Tempel in Ephesus ab, eins der sieben Weltwunder. Der Brandstifter wurde gefasst und sagte, er hätte durch diese Tat berühmt werden wollen. Er wurde hingerichtet und sein Name durfte nicht mehr genannt werden. Trotzdem ist er bis heute unvergessen.[2]

Ruhm[3] ist mit Ruf verwandt, beide von vorgermanisch krâbnos und krâbos 'Geschrei' - gemeint ist das, was man jemand nachsagt oder hinter ihm her schreit. Zu Ruf gehören auch berüchtigt[4] und Gerücht (mit -cht aus -ft wie bei Nichte, der Schwester des Neffen). Ausgangsform  dieser Wörter sind althochdeutsch ruoft, mittelniederdeutsch ruchte 'Geschrei'.

Ehre, germanisch aisa, dagegen ist keine 'Nachrede', sondern 'Hochachtung', zu alteuropäisch ais- 'Achtung, Wahrnehmung, Sinn, Geist, Gott, verehren'. Zur Ehre gehört daher die Ehrfurcht (gotisch aistan 'Gott fürchten'), der Respekt, den man dem Höhergestellten schuldet.[5]

 

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Echo Online

Begriffe: Ehre und Schande | Sprachecke 19.11.2013

 

Datum: 12.11.2013

Aktuell: 26.03.2016