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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Anonym und namhaft

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Rumpelstilzchen wollte anonym bleiben, andere wollen namhaft werden und sich einen Namen machen, von dem man spricht.

Das Wort Name hat einen indogermanischen Ursprung, aber die Grundform ist schwer zu erkennen: Name, griechisch ónoma, altirisch ainm, altslawisch ime(n), hethitisch laman.[1] Ähnliche Wörter finden sich in den meisten Sprachen Eurasiens und Nordafrikas: finnisch nimi, chinesisch míng, altsudanesisch nem. Dazu kommen Wörter für 'sprechen, Spruch' wie albanisch namatís 'murmeln' und hebräisch ne'um 'Gotteswort'.[2]

Die weite Verbreitung dieser Wörter lässt erkennen, dass es schon in der letzten Eiszeit Namen gab. Weiter reichen die Erinnerungen unsrer Sprache nicht zurück. Der Grundbegriff ist wohl älter als die Menschheit, denn auch Tiere können Artgenossen unterscheiden, in ihrem Kopf die typischen Besonderheiten zu einem Begriff zusammenfassen und hören auf ihre von uns gegebenen Namen.

Mit Namen sind Erinnerungen verknüpft. So erklärt sich, dass Name auch 'Ruf, Ehre' bedeuten kann (persisch nâmus) und namhafte Leute nicht nur bekannt, sondern auch geachtet sind.

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir unsre Namen ein Leben lang behalten. Bei einigen Naturvölkern bekommt das Kind erst mal einen vorläufigen Namen, den endgültigen muss der junge Erwachsene selbst finden. Ähnlich ist es auch bei unsern Kloster-, Papst- und Künstlernamen und beim neuen Familiennamen im Rahmen der Eheschließung: neue Existenz - neuer Name.

Von diesen offiziellen Namensänderungen zu unterscheiden sind die Namen, die wir zu einem bestimmten Zweck annehmen. Schriftsteller schreiben manchmal unter einem Decknamen, dem Pseudonym. Anonyme Briefe, ohne Absender und Unterschrift, sollte man gar nicht lesen. Ónyma ist eine altgriechische Dialektform von ónoma 'Name', pseûdos die 'Lüge'[3] und an- unsre Wortverneinung un-.[4]

Damit sind wir bei den Fremdwörtern. Lateinisch nomen 'Name' bezeichnet traditionell Wörter, die man deklinieren kann, heute nur Substantive (Haus) und Adjektive (groß) oder auch nur "Namenwörter" (Substantive).[5] Der Nominativ ("das Haus") ist der 'Nennfall', wie er im Wörterbuch aufgeführt wird. Nominell ist 'dem Namen nach', nicht in Wirklichkeit, nominal die Eigenschaft der Namenwörter.[6]
Begriffe Grammatik: Nomen | Sprachecke 04.02.2014

Nennen 'einen Namen geben, einen Namen gebrauchen, benamsen' ist aus germanisch namnjan entstanden. Die Herkunft von Name ist deutlich zu erkennen.
Heißen dagegen ist normalerweise 'einen Namen tragen', in der älteren Sprache auch 'mit einem Namen bezeichnen' und 'auffordern zu tun'. Grundbedeutung ist 'in Bewegung setzen', dazu braucht man nicht immer Energie. Worte tun's auch.
[7]

 

 

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Echo Online | Begriffe Name

Sprachecke 06.06.2017

 

Datum: 07.01.2014

Aktuell: 01.06.2017