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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Das Pfingstwunder

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Pfingsten hat keine Symbolfigur wie Weihnachtsmann und Osterhase und wenig Brauchtum. Warum feiern wir dieses Fest?

Der Name des Pfingstfestes ist weiter nichts als eine Ordnungszahl: griechisch pentekostê 'der fünfzigste' (Tag nach Ostern).[1] Der Festtermin hat jüdische Wurzeln: Etwa zur selben Zeit feiern die Juden ihr Wochenfest, sieben mal sieben Tage nach Passa.[2]
Mit dem Termin ist über die Bedeutung des Festes nichts gesagt. Die Juden feiern die Gesetzgebung durch Mose,
[3] die Christen gedenken der Ausgießung des Heiligen Geistes und der Gründung der ersten Gemeinde.[4]

Nach der Bibel ist am 50. Tag nach Jesu Auferstehung ein Wunder geschehen: Die ersten Christen gerieten in Verzückung und redeten so, dass sie jeder verstand, trotz des "babylonischen Sprachgewirrs"[5] der Festpilger aus aller Herren Länder.
Schwer war das nicht, denn mit Griechisch kam man überall durch, auch in Jerusalem und Rom. Das Wunder war, dass die Christen in ihrer Begeisterung ein Herz und eine Seele wurden und auch andere in ihren Bann zogen.

Unter Sprache[6] verstehen wir 1. die Fähigkeit sich zu äußern und die Art sich auszudrücken: Wer sprachlos ist, weiß nicht, was er sagen soll. 2. das besondere Verständigungssystem einer Nation: Wer sprachkundig ist, kann sich auch mit Leuten unterhalten, die des Deutschen nicht mächtig sind.
Sprache ist ein abstraktes Wort. Anschaulicher ist Zunge. Wer doppelzüngig redet, ist unaufrichtig, er sagt dem einen dies, dem anderen das Gegenteil. Zungenschlag ist eine Art zu sprechen, der typische Akzent einer Gegend, aber auch eine bestimmte Denk- und Redeweise. Im Lateinischen und seinen Nachfolgern und vielen anderen Sprachen bezeichnet das Wort für 'Zunge' (lingua, langue, language) das Verständigungsmittel, durch das sich die Völker unterscheiden.
[7]

In der Pfingstgeschichte heißt es, der Geist sei in Gestalt feuriger Zungen erschienen, die sich auf die Gläubigen setzten. Sie konnten jetzt in "neuen Zungen" reden. Nicht dass sie auf einmal ausländisch parlieren konnten. Sondern sie hatten ein gemeinsames Interesse. Damit lassen sich Sprachbarrieren überwinden. Wer an etwas nicht interessiert ist, hört gar nicht erst nicht hin und versteht auch kein Deutsch.

An Pfingsten geht es nicht nur um Verständigung, sondern auch um Inspiration (lateinisch in-spîráre 'einhauchen')[8], Eingebung. Man kann auch sagen Geistesblitz oder Intuition (in-tuêri 'auf etwas schauen').[9] Da fliegen uns plötzlich Gedanken, Ideen, Antworten zu, gehen uns die Augen auf für Zusammenhänge, die wir bisher nicht gesehen hatten, wissen wir, was jetzt gesagt oder geschrieben werden muss. Woher kommt das? Aus dem Kopf? Aus dem Bauch? Aus dem Himmel? Wer weiß?

 

[2] Bei "50. Tag" wird der Ostersonntag mitgezählt, bei "7 Wochen" nicht.

 

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Echo Online

Begriffe: Feiertage | Pfingsten | Sprachecke 17.05.2005

 

Datum: 10.06.2014

Aktuell: 26.03.2016