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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Feuer und Wasser

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Wasser löscht Feuer und Feuer bringt Wasser zum Verdampfen. Die beiden Gegner sind im Feuerwasser friedlich vereint.

Die Lakota, besser bekannt als Sioux, nennen das Feuerwasser der Bleichgesichter "schlechtes Wasser", früher auch "magisches Wasser".[1] Das angebliche Indianerwort Feuerwasser ist eine Erfindung der Wildwest-Romane.[2]

Gegensätze ziehen sich an, daher sind Feuer[3] und Wasser[4] ein Paar: beide sächlich und mit der Endung -er, beide aus der Zeit der Indogermanen. Damals hießen sie pehvor und vodor und hatten nur im Nominativ ein r, sonst stand n, also im Genitiv phunés und udnés. Daher nennen wir das winzige Feuerchen Funke und das Gebirge am Euterbach Odenwald.[5]
Die Vorfahren des Wassers lassen sich zurückverfolgen bis in die ältesten Sprachschichten. Die Finnen nennen es vesi (Genitiv veden), die Polynesier wai, die Ureinwohner Südafrikas !khwa (vorne mit einem Schnalzlaut) und ein verbreitetes Indianerwort lässt sich zurückführen auf die Grundform kwati.

Das Feuer hat zwar keine so weit verbreitete Verwandtschaft, aber immerhin Beziehungen zum Westsemitischen (hebräisch ba‘or 'brennen' neben be’er 'Brunnen').

Aber so weit brauchen wir weder auf der Landkarte noch auf der Zeitleiste zu gehen. Im Deutschen gibt es einen ähnlichen Zusammenhang, nämlich brennen[6] und Brunnen, Brand und Brandung. Bindeglied ist das kochende, sprudelnde, wallende Wasser.

Ein weiteres Paar sind im Lateinischen Bruder ignis 'Feuer'[7] und Schwester aqua 'Wasser'[8], indogermanisch hekvnís und hekva. Verwandt im Deutschen ist der Ofen, wohl ein Lehnwort aus einem nur erschlossenen gallischen upnos, und die geographischen Namen auf ‑ach, -a, -au (Biberach, Bebra, Bieberau). Gemeinsame Grundbedeutung ist 'laufen' (albanisch ecen). Daher gehört auch das Pferd (hékvos) in die Familie. Die Ähnlichkeit zwischen griechisch híppos 'Pferd' und hipnós 'Ofen' ist ja nicht zu übersehen.

Was aber hat Feuer mit laufen zu tun? Weil man mit Feuer Metalle zum Laufen bringen kann? Dann wäre ignis ein Wort für das Feuer des Kupfer- und Bronzegießers gewesen. Das war Männerarbeit, daher vielleicht das männliche Geschlecht. Dazu passt das weibliche Geschlecht von aqua. Denn Wasserholen war Frauensache.
Die Römer verehrten die Herdgöttin Vesta.[9] Das Herdfeuer hüten war Aufgabe der Frauen und eine Art heilige Handlung. Im japanischen Film "Das wandelnde Schloss" wird der Feuergeist wie ein Kind liebevoll gepflegt, gefüttert und auf der Flucht mitgenommen.[10] So war das früher auch in Europa.

Wir kennen das Feuerwasser unter dem Namen Branntwein. Er wird überm Feuer destilliert, erhitzt den Trinker und brennt in bläulicher Flamme.

 

 

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Echo Online

Sprachecke 14.06.2016 | Begriffe: Feuer | Wasser

 

Datum: 25.11.2014

Aktuell: 09.06.2016