Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Goldschätze

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

Münzfunde wie der vor der israelischen Küste[1] sind selten, mindern aber den Wert vorhandener Sammlerstücke.

Unsre Schätze sind nicht aus Metall, sondern aus Fleisch und Blut, und nicht mit Geld zu bezahlen. Ihr Wert für uns bemisst sich nicht in Euro, sondern ist zu erkennen an den Kosenamen, die wir ihnen beilegen.[2]

Beliebte Vergleiche sind kleine Tiere (Maus, Hase), Vögel (Spatz, Taube), Spielzeug (Bär, Puppe), Süßigkeiten (Nougat, Zuckerstückchen), Liebessymbol (Herz) und Kostbarkeiten (Edelstein, Goldstück). Käfer und Flusspferd, Engel, Fee und Teufel sind vertreten, mit und ohne Verkleinerungssilben (Mäuschen, Mäusle, Mausi).

Das edelste Kosewort ist Liebling und das kostbarste Schatz, beide auch in anderen Sprachen gebräuchlich: Niederländisch lieveling, englisch darling (dear 'teuer, lieb'), schwedisch älskling (älska 'lieben') haben sogar dieselbe Anfügung -ling. Unserm lieben Schatz entspricht niederländisch schat, französisch trésor, italienisch und spanisch tesoro.[3]

Auch die Endung -i ist international, wie schottisch luvie 'Liebling'[4], englisch daddy 'Papi' zeigen.[5] Spanisch cariño 'Liebling' lässt ahnen, wie diese Silbe entstanden ist: aus der Verkleinerung -în, bei uns heute zusammengesetzt und verkürzt in -chen, -lein, schwäbisch -le, schweizerisch -li (alt -ch-în, -l-în). Beispiel: 'kleine Magd, Jungfrau' war mittelhochdeutsch magedîn, Lutherdeutsch Mägdlein, heute Mädchen, Mädle, Mädeli, Mädi.[6]

Das männliche Gegenstück Bubi leitet über zu den Kosenamen, die manchmal bis ins Erwachsenenalter gebraucht werden ("Bubi" Scholz[7]). Das zugrundeliegende althochdeutsche buobîn 'Bübchen' ist nur im westfränkischen Namen Bobin bezeugt[8] und steckt wahrscheinlich in Biebesheim (um 1200 Bubenesheim).[9]

Namen auf -în waren in fränkischer Zeit überaus häufig, Beispiel Pippin,[10] Vater Karls des Großen, Verkleinerung von Pippo, Bibo, ein kindlicher Lallname, dessen Herkunft nicht zu erkennen ist.[11] Italienisch Peppino ist die Verkleinerung von Peppo, kurz für Giuseppe 'Joseph'.[12]

Bibi (Brigitte) Blocksberg[13] und Pippi Langstrumpf[14] tragen denselben Kurznamen. Heute gibt es jede Menge offizielle und inoffizielle Namen auf -i: Anni (Anna), Heidi (Adelheid), Rudi (Rudolf), Willi (Wilhelm), englisch Peggy (statt Maggie, Margaret),[15] Charly (Charles). Manchmal kam das -i aber auch durch eine Verkürzung ans Wortende: Eli (Elisabeth), Oli (Oliver).

Auch Karolus war ein Kosename, Verkleinerung von lateinisch oder gallisch cârus 'lieb', also 'Liebeschen'[16], entsprechend dem biblischen David 'Geliebter'[17].

König Pippin, Kaiser Karl und den Boxer Bubi musste man wohl oder übel ernst nehmen. Aber eigentlich sind Kosenamen intim und gehören nicht an die Öffentlichkeit.

 

[4] The Online Scots Dictionary (Suchwort luve eingeben)

 

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

Sprachecke 10.03.2015

 

Datum: 17.03.2015

Aktuell: 06.08.2016