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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Aufs Gestell geprallt

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Hydraulischer Widder

 

Der Wagen prallte frontal auf das Gestell. Der Fahrer richtete es wieder auf. Dazu brauchte er kein Hebegerät.

Anders ausgedrückt: Er hatte einen Bock gerammt und benötigte zum Wiederaufstellen keinen Kran.

Eine Anzahl sachlicher Begriffe stammen aus der Tierwelt: Die Geldkatze hat zwar "Mäuse"[1] im Bauch, aber die Laufkatze am Kran interessiert sich nicht für Nager, Münzen oder Eingabegeräte für Computer. Der Wasserhahn balzt nicht mit dem Wasserhuhn[2] und der Wasserkranen nicht mit dem Kranich. In der Schule hatte ich "keinen Bock" auf Turngeräte wie Pferd und Bock. Und der Hund, der Karren im Bergwerk,[3] bewegte sich nicht auf Beinen, sondern auf Rädern.

Nicht immer ist sonnenklar, warum gerade dieser Vergleich gewählt wurde. Das Gestell hat vier Beine, die haben auch Ziege und Kuh. Der Sprungbock[4] hat seinen Namen vom Bockspringen über den Rücken eines Kameraden. Vorbild sind die mutwilligen Sprünge junger Tiere. Das künstliche Pferd diente schon im Mittelalter für Übungen im Reiten und Fechten.[5]

Ein bockartiges Gestell am Straßenrand diente früher zum Absetzen von Traglasten. Seine Name Esel erklärt sich von selbst.[6]

Die Laufkatze läuft an einer Schiene entlang wie die Mieze auf dem Balken. Der englische Name der Computermaus, mouse, ist seit 1965 gebräuchlich.[7] Vergleichspunkt ist wohl, dass sie klein ist, auf dem Tisch herumwuselt und einen "Schwanz" hat.

Der Kran hat einen langen "Hals" wie der Kranich, der früher einfach Krane hieß. Warum aber nennt man das Zapfventil Kranen oder Hahn? Wenn man Kran als 'Heber' versteht, ergibt sich zwanglos eine Verbindung zum Weinheber, einem Schlauch mit Drehverschluss, mit dem man den Wein aus dem Fass absaugt.[8] Und der drehbare Griff des Wasserhahns erinnert an den ebenfalls drehbaren Wetterhahn.[9]

Dem Bock macht es kein Kopfzerbrechen, wenn er mit gesenktem Kopf auf einen Gegner losrennt. Den Rammbock, einen waagrecht schwingenden Balken, benutzte man bei einer Belagerung, um das Stadttor zu durchbrechen. Die Römer nannten dieses Gerät aries 'Widder'. 'Widder' bedeutete auch das altdeutsche Ramm.[10] Der Bock hat damit keine Probleme, aber wir zerbrechen uns den Kopf, ob der Widder Ramm heißt, weil er "rammt" oder ob die "Ramme" nach dem Tier benannt ist. Denn Ramme lässt sich auch anschließen an ein Wort für 'Balken', mit dem man zum Beispiel einen Eingang "verrammeln" kann.[11] Das hat aber wohl nichts zu tun mit dem, was der "Rammler" mit der Häsin macht, sondern ist vom Widder auf den Nager übertragen.

Wenn ein Schüler "keinen Bock" hat, fehlt ihm nicht etwa ein männliches Horntier, sondern die Lust etwas zu tun. Das Wort kommt aus der Zigeunersprache und bedeutet 'Hunger'.[12]

 

[3] Hunt – Wikipedia
{Hunt / hunde} ist mittelhochdeutsche Schreibung des Tiernamens.

 

   


Ergänzung eines Lesers:

Der „hydraulische Widder“ (wovon man ein schönes funktionsfähiges Exemplar auch bei uns im Odenwald finden kann, nämlich in Finkenbach): benannt offenbar nach seinem wesentlichen technischen Bestandteil, dem Stoßventil. Erfunden vom berühmten technischen Universalgenie Montgolfier, der auch wohl direkter Namensgeber war. Englisch heißt das Tier wie die Pumpe ja „ram“ – so begegnen sich die Wörter wieder.

   

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Echo Online

Begriffe: Tiere | Vögel

 

Datum: 26.04.2016

Aktuell: 27.04.2016