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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Lutherdeutsch

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die Weimarer Gesamtausgabe von Luthers Werken umfasst 127 Bände mit 80.000 Seiten. Darin enthalten sind auch Nachschriften seiner Vorlesungen, Predigten und Tischreden, und alles in sämtlichen Auflagen[1] - ein gigantisches Werk, teils deutsch, teils lateinisch. Luther verstand es, "dem Volk aufs Maul zu schauen" und nahm, ob er sprach oder schrieb, kein Blatt vor den Mund, oft zum Entsetzen seiner Mitarbeiter. Man rühmt heute seine sprachschöpferische Kraft.

Was hat er denn erschaffen? Wir lassen uns leicht täuschen, wenn wir erfahren, welche Wendungen bei Luther zum ersten Mal erwähnt werden. Denn vieles stammt aus der Bibelübersetzung und steht in ähnlicher Form schon im Urtext der Heiligen Schrift, zum Beispiel "sein Haus auf Sand bauen", übertragen 'nicht auf guten Rat hören'.[2] Andere Ausdrücke sind frei übersetzt wie "die Lüge ist ein hässlicher Schandfleck" statt "ein schlimmer Makel".[3] Ob Luther damit einen damals üblichen Ausdruck aufgegriffen oder ihn selbst geprägt hat, wissen wir nicht.

Auch Mördergrube  stammt aus der Bibelübersetzung.[4] In den neueren Ausgaben steht Räuberhöhle. Das war kein Missverständnis oder abweichender Sprachgebrauch, sondern Luther versuchte zwei biblische Wörter zu unterscheiden: "Mörder" waren gewaltbereite Verbrecher, auch Rebellen, Terroristen, während  es den "Räubern" nur auf die Beute ankam.[5]

Anders ist es bei den Ölgötzen, wie Luther die katholischen Priester nannte, die stumm und wirkungslos seien wie die Götzen 'Heiligenbilder'. Dieser Ausdruck hat Schule gemacht. Zugrunde liegt wohl ein thüringisches Wort für den Ausguss der Ölmühle (eigentlich "Gütze"), den Luther mal gehört hatte ohne die Bedeutung zu kennen.[6]

 

 

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Echo Online

Sprachecke 15.09.2009

 

Datum: 31.01.2017

Aktuell: 26.01.2017

[1] Weimarer Ausgabe (Luther) – Wikipedia

[2] Matthäus 7,26.27

[3] Sirach 20,26

[4] Jeremia 7,11; Markus 11,17

[5] Kreuzdenker, Quellen: Mörder / Räuber bei Luther

[6] Kreuzdenker, Etymologie: Ölgötze