Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Obst und Südfrüchte

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Auf Ihre Fragen antworte ich gern. Email

Email:

 

 

"Danke für Obst und Südfrüchte" sagen wir scherzhaft, wenn wir etwas nicht möchten. In Berlin heißt es auch "Danke für Backobst". Gemeint waren ursprünglich die angedrohten 'Schläge': hessisch Äppel, rheinisch Birnen. Die "Südfrüchte" sind Ohrfeigen und Backobst steht für Backpfeifen.[1]

Unter Obst verstehen wir heute 'süße Früchte', also Äpfel, Erdbeeren, Feigen, aber keine Nüsse, Tomaten, Bohnen. Germanisch uv-êtam war allgemein 'Beilage zum Essen, Zukost'. Altenglisch ofet konnte sein 'Brei, Getreide, Hülsenfrüchte, Erdbeeren'. Unter althochdeutsch obaz verstand man vor allem Baumfrüchte als 'Nachtisch'.[2]
Das t von Obst ist spätmittelalterliche Auslautverhärtung: Man hatte nicht gern einen "weichen" Laut am Wortende und setzte einen "harten" dahinter: daher auch Papst, anderst, Mond statt mittelhochdeutsch babes, anders, môn.
[3]

Obst ist also ein Sonderfall von Früchten. Frucht kommt von lateinisch frûctus, Grundbedeutung 'Nutzung' (verwandt mit brauchen), und dann 'Ertrag, Gewinn, Zinsen'. Zum Ertrag gehört natürlich auch die Ernte, vor allem die 'samenhaltigen Pflanzenteile'. 'Ertrag' ist darum heute noch eine wichtige Bedeutung von Frucht. Wir verstehen das aber im übertragenen Sinn ("Die Früchte seiner Arbeit", die Ergebnisse.) Erst im Deutschen kam die Bedeutung 'Leibesfrucht' auf und der scherzhafte Gebrauch von Früchtchen 'ungeratenes Kind'.[4]

Südfrüchte (Ende 18. Jahrhundert) sind 'exotisches Obst', ursprünglich aus den Mittelmeerländern.[5]

 

 

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

 

Datum: 14.03.2017

Aktuell: 09.03.2017