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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Zitrusfrüchte

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Zitronen und andere Zitrusfrüchte stammen nicht aus Ländern, "wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen glühn",[1] sondern aus Asien, und die heutigen Sorten sind durch Kreuzungen entstanden. Kein Wunder also, dass die Geschichte der Namen so verworren ist.

Es fing an mit dem Wacholder, altgriechisch kédros,[2] dessen wohlriechendes Holz man zum Räuchern verwendete. So nannte man auch den berühmten Nadelbaum aus dem Libanon, die Zeder. Die Nebenform, lateinisch citrus, bezeichnete eine Art Wacholder, aus dessen Edelholz Möbel gemacht wurden. Und später den duftenden Zitronenbaum. An dem hingen aber nicht die heute üblichen Früchte mit dünner, sondern mit dicker Schale, aus der das kandierte Zitronat gewonnen wird.[3]
Die heutige Zitrone heißt eigentlich Limone
[4] und ist eine Kreuzung aus der alten Zitrone mit der Pomeranze.[5] In Indien heißt sie nimbû, in Persien lîmûn, daher der europäische Name. Wir sind bei Zitrone geblieben.

Die Orange[6] ist eine Kreuzung aus Mandarine und Pampelmuse. Ihr indischer Name ist nâranga, in Venedig naranza, hochitalienisch aber arancia oder mel-arancia, zu melo 'Apfel'. Die Franzosen übersetzten um 1200 pume orenge, später pomme d'orenge, daher unser Pomeranze. Bei orange statt "arange" hat sich a- dem Nasal in der 2. Silbe angenähert.[7] Der Stadtname Orange hat nichts damit zu tun.[8]

Nâranga war die Bitterorange, aus der Orangeat gewonnen wird.[9] Die süße Variante kam erst nach 1500 nach Europa, vielleicht aus Kenia, und wurde zuerst in Portugal angebaut.[10]

Der deutsche Name dieser Frucht ist Apfelsine. Sina war die lateinische Form von chinesisch Qin ("Tschin"), einer Dynastie (221-207 v. Chr.), nach welcher China benannt ist.[11]

 

[1] Goethe, Mignon

[7] Schon damals wurden französisch -en- und -an- gleich ausgesprochen. Voretzsch, Afrz 10

 

 

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Echo Online

Sprachecke 21.03.2017 | Begriffe Früchte

 

Datum: 21.03.2017

Aktuell: 16.03.2017