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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Stoffel in Holzpantoffeln

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die stolze Liese wurde von gutsituierten Männern zum Tanzen (Heiraten) aufgefordert, wies aber alle ab, weil sie auf einen König wartete. Erst nach Jahren "kam ein Schweinehirt daher, Johann Christoph Stoffel", der so arm war, dass er nur Holzpantoffel trug. Und weil kein König gekommen war, musste sie mit dem Stoffel vorlieb nehmen.[1]

Der "anrüchige" Beruf passt gut zum Namen, denn hessisch Stoffel ist einer, der "den Leuten die Zeit nicht bietet"[2], sie nicht grüßt und sich auch sonst nicht zu benehmen weiß.[3] Stoffel ist eine Kurzform von Christoffel, Christopher. Wir sagen Christoph.[4] Das war im 17. und 18. Jahrhundert ein sehr beliebter Name.[5] Wie Johann 'Diener' und Hannes 'Knecht' sank auch Stoffel zur Bezeichnung eines Menschentyps herab.

Stoffel und Pantoffel reimen sich ganz ungezwungen und passen gut in die Geschichte. Pantoffel, hessisch Schlappe, sind 'Schuhe ohne hohen Fersenteil', heute meist 'Hausschuhe'. Holzschuhe sind ähnlich geschnitten, aber für die Arbeit im Freien.

Pantoffel kam bei uns um 1500 auf und bezeichnete leichte Schuhe mit Korksohlen. Das romanische Wort kam wohl aus Italien zu uns (italienisch pantofola). Portugiesisch pantofa ist das einfache Wort, und darin steckt romanisch patta, provenzalisch panta 'Fuß'. Die lateinische Grundform wäre pantuus 'Fuß...', romanisch pantuf 'Schuh', pantuf-la 'leichter Schuh'.[6]

Wer oft zu Hause ist, trägt Hausschuhe. Das war meist die Frau, zu deren Wahrzeichen der Pantoffel wurde. Wenn der Mann der Frau untertan war, "stand er unterm Pantoffel".[7] Ein Pantoffelheld hielt sich meist im Haus auf. Er musste sich den Anweisungen seiner Frau fügen, die für die Hauswirtschaft zuständig war.[8]

 

[5] 17. | 18. Jahrhundert (Suchwort "Christoph")

 

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Echo Online

 

Datum: 28.03.2017

Aktuell: 23.03.2017