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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wende

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Wende" nennen wir den plötzlichen Umschwung in Osteuropa, der 1989 zum "Tod" der kommunistischen Herrschaft und der DDR, zur "Auferstehung" demokratischer Staaten und zur Wiedervereinigung führte.[1] Ähnliches haben wir nach dem "Zusammenbruch" 1945 erlebt. Und Ähnliches erleben wir nach einer Krise oder Krankheit. Wir fühlen uns danach "wie neu geboren". Der Körper hat sich "regeneriert", unser Leben ist neu geordnet. Es kann weitergehen.

Wende, Auferstehung, Wiedergeburt, Regeneration sind auch religiöse und philosophische Begriffe:[2]

Wende ist dasselbe wie Bekehrung,[3] heute missverstanden als 'Eintritt in eine Glaubensgemeinschaft', in Wahrheit aber eine Neuorientierung, oft nach einer persönlichen Katastrophe. Da müssen wir an uns selbst arbeiten, neu anfangen und alte Fehler vermeiden.

Auferstehung[4] ist ein jüdisches Bild, das ins Christentum und den Islam übernommen wurde. Gemeint ist: Die Welt die wir kennen, hält nicht ewig, "geht unter" und wird danach neu erschaffen. Auch wir werden neu erschaffen, sicher nicht so, wie wir waren, also unvorstellbar.
Im Christentum kommt dazu die Auferstehung Jesu, der nicht einfach wieder lebendig wurde, sondern in eine geistige Dimension überwechselte. Sein "Geist", seine Ideen und Anregungen wirken ja heute noch nach. Wie auch andere Ideen heute noch nachwirken, gute und böse. Auch Hitler scheint wieder auferstanden zu sein.

Wiedergeburt ist Übersetzung von lateinisch regenerâtio, in der Bibel wie die Auferstehung bezogen nicht nur auf die persönliche Existenz, sondern auch auf die Neuerschaffung der Welt.[5] Dasselbe meint lateinisch renâsci 'wiedergeboren werden', renâtus 'wiedergeboren' (daher Renate, René) und französisch Renaissance[6] 'Wiedergeburt', besonders die Wiederbelebung der Antike im 15. Jahrhundert.[7]

Auch die indischen Religionen kennen die Wiedergeburt (altindisch punar-dschan-man, wörtlich dasselbe wie re-gen-eratio) als "Seelenwanderung", wobei auch Buddha nicht sagen konnte, was da "wandert" oder weitergegeben wird. Vielleicht unser Sünden- und Verdienstkonto (Karma)[8], das nach dem Tod ja nicht erlischt: Andere leiden an unsern Fehlern und profitieren von unsern Wohltaten.[9]

 

 

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Echo Online

Begriffe: Unsterblichkeit

 

Datum: 18.04.2017

Aktuell: 13.04.2017