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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Selige Seele[1]

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Viele Menschen sind manchmal selig, sie sind glücklich und fühlen sich wie im siebten Himmel. Das Hochgefühl der seelischen Seligkeit vergeht und die Erde hat sie wieder. "Ewige Seligkeit" gibt es nur im Himmel, wo die Seelen der Seligen sind.

Selig und Seele passen zwar sachlich zusammen, haben aber unterschiedlichen Ursprung: Selig kommt von germanisch sêlis 'gut, gütig, günstig, glücklich', indogermanisch sel- 'günstig, in guter Stimmung'.[2] In Seele, germanisch s-aiw-ala,[3] steckt wohl aiw- 'Lebenskraft, Lebenszeit' (daher ewig).[4]

Wenn jemand Kummer hat, müsste sich ein Seelsorger drum kümmern. Wer reizbar und nervös ist, hat's nach volkstümlicher Vorstellung "an den Nerven", geht aber vielleicht besser zum Psychologen als zum "Nervenarzt", denn das liegt wohl eher an seinen Lebensumständen, mit denen er nicht zurechtkommt. Griechisch psýchein war 'blasen, atmen', psychê 'Lebensodem', der das Leben kennzeichnet und den Toten fehlt, ferner 'Bewusstsein, Verstand, Mut, Gemüt, Verlangen, Neigung', kurz: 'alle inneren Regungen.[5] All das entsteht nach heutigem Verständnis in unserm Gehirn und Nervensystem. Da das Gehirn zuerst stirbt, sterben unsre inneren Regungen mit.

Die Unterscheidung von Psyche und Seele hilft uns besser zu verstehen, was in uns unsterblich sein könnte: Der Kern unsrer Persönlichkeit, ein Bündel von personenbezogenen Daten, komprimiert im Namen, der "im Himmel geschrieben ist".[6] Wozu? Damit wir bei der Auferstehung rekonstruiert werden können? Oder damit unser bisschen Seele aufgeht in der allgemeinen Weltseele? Oder damit unser Lebensodem zurückkehrt zu dem, der ihn uns gegeben hat?[7] Das können wir nur in Bildern ausdrücken.

 

 

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Echo Online

Begriffe: Psychologie | Unsterblichkeit | Sprachecke 16.08.2011

 

Datum: 25.04.2017

Aktuell: 20.04.2017