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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Bewegliche Habe

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Das Recht unterscheidet Immobilien und Mobilien, unbewegliche und bewegliche Habe. Unbeweglich ist Grund und Boden und was fest damit verbunden ist, beweglich alles andere. Im Mittelalter sagte man fahrende Habe, fahrendes Gut, seit dem 15. Jahrhundert Fahrnis.[1] In der frühen Neuzeit grenzte man Mobilien 'Sachgüter' von Moventien 'Nutztieren' ab.

Fahren bedeutete ursprünglich allgemein 'sich fortbewegen', nicht nur auf Rädern.[2] Ihm entspricht lateinisch movêre 'sich bewegen', das uns aus einer Anzahl Fremdwörtern bekannt ist: Emotion 'Gemütsbewegung', Moment 'Bewegkraft', Motiv 'Beweggrund', Motor 'Beweger, Antrieb', also auch mobil 'beweglich' und Mobilien 'bewegliche Güter'. Moventien ist eine andere Ableitung, zu môvens 'sich bewegend'. Tiere sind "auto-mobil", können selbst laufen und müssen nicht getragen werden.[3]

Möbel (aus französisch meubles, lateinisch mobîlia) sind zwar 'beweglich' und haben oft Beine oder Füße, stehen aber als Tisch, Schrank, Sofa, Bett meist an derselben Stelle und sind so schwer und sperrig, dass wir beim Umzug unsre Mühe haben sie wegzubringen. Trotzdem gehören sie zur beweglichen Habe.

Das war ursprünglich mit französisch meubles gemeint, 1450 als Möbel 'Fahrnis' ins Deutsche übernommen.  Erst nach 1500 kam im Französischen die heutige Bedeutung 'Einrichtungsgegenstände' auf, die seit 1650 auch im Deutschen nachweisbar ist.[4]

Als Student war ich dankbar für ein möbliertes Zimmer, das ich nicht erst einrichten musste. Möblieren ist 'mit Möbeln versehen', das Gegenteil war vermöbelieren 'Hausrat zu Geld machen'. Wie bei verkloppen 'unter den Hammer bringen, billig verkaufen' bekam vermöbeln die Bedeutung 'verprügeln'.[5]

 

 

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Echo Online

Begriffe: Möbel

 

Datum: 09.07.2017

Aktuell: 04.05.2017