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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Erkennungszeichen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Wenn sich im Altertum zwei Menschen für längere Zeit trennen mussten, zerbrachen sie etwas in zwei Teile. Jeder nahm eine Hälfte. Wenn sie wieder zusammenkamen, legten sie die Buchstücke nebeneinander. Passten sie zusammen, hatten sich auch die Menschen wieder gefunden.[1]

Die Griechen nannten die Bruchstücke sýmbola (Einzahl sýmbolon), von symbállein 'zusammenlegen, vergleichen'.[2] Die Bedeutung wurde verallgemeinert zu 'Zeichen' allgemein, auch schon wie heute 'Sinnbild'.
Übers Lateinische kam Symbol ins Deutsche, und zwar zunächst in der kirchlichen Bedeutung 'Glaubensbekenntnis'.
[3] Wieso ist das ein "Symbol" oder Erkennungszeichen? Wenn ich in eine Gruppe gerate, die gemeinsam "Allahu akbar"[4] ruft, kann ich es nicht mitsprechen, weil ich kein Muslim bin. Das gemeinsam gesprochene Bekenntnis ist "Symbol" der Zugehörigkeit und Gemeinsamkeit.
Im alltäglichen Sprachgebrauch bedeutet Symbol aber auch weiterhin 'Zeichen', vor allem eine gezeichnete Figur, die wir mit einer bestimmten Bedeutung verbinden.

Zeichen gehört zu zeigen und zeihen.[5] Die unterschiedlichen Mittelkonsonanten wurzeln bereits im Indogermanischen: Dîko 'zeige an' ergab althochdeutsch zîhu 'zeihe'. Doikána 'zeigen' (Betonungsunterschied) wurde zeigan mit stimmhaftem ch wie in gezogen. Dagegen ist Zeichen über germanisch taikna(m) entstanden aus dóignom (g statt k vor n).

Das veraltete zeihen 'anzeigen, beschuldigen'[6] hat sich als Rechtsausdruck schon im Germanischen von zeigen abgekoppelt. Erhalten ist es noch in verzeihen 'entschuldigen, vergeben', bezichtigen 'beschuldigen' und verzichten 'einen Anspruch aufgeben, beides zu einem Substantiv zicht 'Beschuldigung' (wie sehen / Sicht).

 

[4] 'Gott ist am größten' Takbir – Wikipedia

 

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Datum:

Aktuell: 15.06.2017