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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Thesen am Tresen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Thesen am Tresen sind Stammtischparolen, über die man sich erhitzt. Diese beiden Wörter reimen sich nicht nur, sondern sind verwandt: Tresen 'Schanktisch', eigentlich 'Geldschublade' kommt von Tresor, eigentlich 'Schatz', von griechisch thêsaurós 'Schatz, Depot',[1] von the- 'setzen, stellen, legen'.[2] Davon abgeleitet ist thésis 'Setzung, Satz', auch 'Behauptung'.[3]

In Luthers 95 Thesen ging's auch um Geld[4] und den "wahren Schatz der Kirche". Gemeint ist nach These 62 "das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes."[5]

Luthers Thesen waren gedacht als Diskussionsgrundlage für eine akademische Disputation "pro virtute indulgentiarum, für die Kraft der Ablässe"[6], auf Lateinisch, also nicht für den Tresen, sondern für den Lehrstuhl. Professor Luther wollte nicht protestieren, sondern seine Meinung klären. Er schrieb seine Gedanken auf und nummerierte die Sätze (Thesen) durch, wie eine Tagesordnung bei einer Sitzung, damit man Punkt für Punkt, These für These, durchgehen konnte. Wie es üblich war,  machte er durch Aushang darauf aufmerksam, wie man heute mit der Einladung zu Sitzungen auch die Tagesordnung verschickt.

Ein Termin war noch nicht angegeben, denn erst musste Luther einen Gegner finden, der ihm widersprach. Eigentlich waren die Thesen also keine "Einladung", sondern eine Provokation 'Herausforderung'[7] zum Widerspruch. Es müsste sich doch ein Kollege bereitfinden eine Gegenposition zu vertreten, These für These mit Argument und Gegenargument, als Lehrveranstaltung der Universität.

Es kam aber nicht dazu, sondern die Thesen wurden innerhalb weniger Wochen in Deutschland verbreitet, durch gedruckte Flugblätter.

 

 

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Echo Online

 

Datum: 18.07.2017

Aktuell: 13.07.2017