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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Arbeit adelt[1]

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die Adligen im Altertum und Mittelalter konnten sich's leisten, nicht körperlich arbeiten zu müssen. Dafür hatten sie ihr Personal, Sklaven, Leibeigene.
Anders im Judentum und frühen Christentum: Die jüdischen Rabbiner, auch frühe christliche Führungskräfte, hatten ein Handwerk gelernt, von dem sie sich ernähren konnten: Jesus war Zimmermann, Paulus Zeltmacher. Man kann sich also "die Hände schmutzig machen" und trotzdem geistige Leistungen vollbringen. Benedikt von Nursia (480-547), Begründer des abendländischen Mönchtums, brachte die wichtige Klosterregel auf: "Bete und arbeite", in regelmäßigem Wechsel.
[2]

Im Jubiläumsjahr der Reformation denken wir daran, dass auch Luther seinen Teil dazu beigetragen hat, um das Leben der arbeitenden Bevölkerung zu adeln. Er machte ihnen klar: Ihr könnt Gott mit eurer täglichen Arbeit dienen.

"Da könnte als dann eine arme Dienstmagd erstlich die Freude im Herzen haben, und sagen: ich koche jetzt, ich mache das Bett, ich kehre das Haus, wer hat es mich geheißen? Es hat mich mein Herr und meine Frau geheißen. Wer hat nun ihnen solche Macht über mich gegeben? Es hat Gott getan. Ei, so muss es wahr sein, dass ich nicht allein ihnen, sondern auch Gott im Himmel diene, und dass Gott einen Gefallen daran habe. Wie kann ich denn seliger sein? Ist doch genau so viel, als wenn ich Gott im Himmel selbst sollte kochen."[3]

Eine besondere Rolle spielte dabei das Verständnis von Arbeit als Beruf.[4] Berufen werden heute Hochschullehrer[5] und außerordentliche Mitglieder von Gremien[6]. Manche Menschen verstehen ihre Lebensaufgabe als "innere Bestimmung" oder "Berufung". Sie identifizieren sich damit und gehen ganz darin auf.
Da adelt also nicht die Arbeit den Menschen, sondern der Mensch adelt seine Tätigkeit, indem er sie mit Liebe tut und als schicksalhafte oder göttliche Bestimmung annimmt.

Job dagegen ist eine Tätigkeit, durch die man Geld verdienen kann, oft nur vorübergehend. Mittelirisch gob war der 'Schnabel', als Verb 'hacken, picken', entsprechend mittelenglisch jobben 'stechen, stoßen', um 1800 in den USA job 'Schlag' als Element einer Tätigkeit, auch 'kleine Arbeit', daher 'Gelegenheitsarbeit', später 'Arbeit, Erwerbstätigkeit'.[7]

 

[6] KGO § 29

 

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Echo Online

 

Datum: 01.08.2017

Aktuell: 27.07.2017