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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Wortschöpfungen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Wie entstehen neue Wörter? Da gibt es von alters her mehrere Möglichkeiten:

Baukasten: Man bastelt aus vorhandenen Vokabeln mit Vor- und Nachsilben neue: Haus > hausen > Behausung. Oder man setzt Wörter zusammen: Platz - Spielplatz - Abenteuerspielplatz.

Recycling: Oft genügt es, einem Wort eine neue Sonderbedeutung hinzuzufügen: Blatt 'Pflanzenteil > Stück Papier'[1]. Dabei kann der bisherige Sinn durch den neuen verdrängt werden: Tisch 'Möbelstück'[2] war ursprünglich die Wurfscheibe und Uhr 'Zeitmesser' die Stunde.[3]

Diebstahl: Schon immer haben die Menschen sich die Mühe gespart neue Wörter zu erfinden, entwendeten sie ungefragt aus fremden Sprachen und missbrauchten sie für den Eigenbedarf. Es nützt alles Zetern nichts, dass englisch handy 'praktisch' und nicht 'Taschenfernsprecher' bedeutet.[4]

Daneben gibt es aber immer noch die freie Wortschöpfung. Das war mit griechisch onomato-poíêsis 'Wortbildung' gemeint. Heute verstehen wir aber unter Onomatopoesie nur 'Lautmalerei', das heißt Nachahmung von Naturgeräuschen wie miau, piep, peng, zisch.[5]
Dabei wird leicht übersehen, dass auch Bewegungsverben oft freie Schöpfungen sind mit einer Fülle von Abwandlungen: tapp, tappen; s‐tapfen, sta‐m‐pfen; t‐r‐aben, tra‐m‐peln; s‐trampeln. Ebenso Wörter wie die auf kn-, die Kugelformen bezeichnen wie Knauf, Knochen (alte Bedeutung 'Knöchel'), Knopf, Knorren, Knospe, Knoten.
[6] Die vielen Varianten sind Zeichen, dass diese Ausdrücke nach einem bestimmten Muster geschaffen wurden.

Sind die neuen Wörter erst mal gebildet, werden sie behandelt wie die anderen: Wer denkt schon bei Dabbes 'Tollpatsch'[7] an Stempel (beides zu tapp), bei Knus(ch)pes 'Knirps' (zu Knospe) an Knabe[8]?

 

 

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Echo Online

 

Datum: 15.08.2017

Aktuell: 17.08.2017