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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Trampelnde Traber

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Das Kamel ist in den Wüstenregionen ein unentbehrlicher Helfer des Menschen. Das einhöckrige Kamel transportierte im arabischen Raum Waren zwischen Atlantik und Indien sowie durch die Sahara[1], das zweihöckrige auf der Seidenstraße von China nach Konstantinopel und in die iranischen Länder.[2]

Das asiatische heißt auf Türkisch deve, ursprünglich 'Elch'[3], auf Persisch schutur, das wohl mit unserm Stier verwandt ist.[4] Dann wird Hammel die deutsche Form von Kamel sein.[5]
Ja, ich weiß, Hammel gehört zu mittelhochdeutsch hamal 'verstümmelt', weil der Hammel ein kastrierter Widder ist. Sagt man heute. Auch die Ochsen sind kastriert, und trotzdem haben sich die Auerochsen vermehrt. Hammel war wohl eher ein anderes Wort für 'Widder', vielleicht für einen jungen, der noch keine Hörner hat. Denn das indogermanische Grundwort bedeutet 'ohne Hörner', auf Russisch komólyj (slawisch o ist oft indogermanisch a).
[6] Und das Kamel? Hat auch keine Hörner!
Einer der ersten griechischen Berichte (5. Jahrhundert v. Chr.) über Kamele stammt aus Nordindien.
[7] Es ist also unwahrscheinlich, dass Kamel von semitisch gamalu übernommen wurde, es ist ein indogermanisches Wort. Was nicht ausschließt, dass beiden ein alter Ausdruck der steinzeitlichen Viehzüchter zugrundeliegt.[8]

Wir unterscheiden seit dem 18. Jahrhundert das arabische Dromedar vom asiatischen Trampeltier. Das ist dasselbe Wort, von griechisch dromad- 'rennend'. Das Dromedar wurde unter seinem heutigen Namen durch die Kreuzzüge bekannt, im Deutschen bald zu dromendar entstellt, als dromel-tier verdeutlicht und als Trampeltier missdeutet. Erst später übertrug man den Tiernamen auf einen plumpen, ungeschickten Menschen.[9]

 

 

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Echo Online

Begriffe: Tiere | Sprachecke 05.09.2017

 

Datum: 22.08.2017

Aktuell: 31.08.2017