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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Wehrlose Weibchen[1]

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Weibliche Hirsche und Rehe haben kein Geweih. Aber sie sind nicht wehrlos. Sie verteidigen ihre Jungen mit den Klauen (weidmännisch: Schalen).[2] Die männlichen Hirsche brauchen ihre Körperkraft und ihr Geweih vor allem zum Kräftemessen: Der Stärkste gewinnt das Revier und das Rudel. Nach ein paar Wochen ist die "Wahl" entschieden. Der Hirsch legt seine Waffen ab, rüstet im Sommer wieder auf und im Herbst werden die Karten neu gemischt.

Der Hirsch hat seinen Namen nach seinen "Hörnern": Indogermanisch ker-, kor-, kr- ergab griechisch kéras, lateinisch cornu, deutsch Horn, und in der Bedeutung 'Horntier' deutlich erkennbar in Hornisse, deren "Hörner" die Fühler[3] sind und bei denen wir schon genau hinschauen müssen, um sie zu erkennen. Unübersehbar sind die Waffen beim Rentier, Rind[4] und Hirsch[5]. Das Grundwort in den Namen ist kaum noch zu ahnen: altnordisch hreinn, althochdeutsch hrind und hiruz. Bloß noch hir-, (h)r- erinnern an Horn.

Die Weibchen der einheimischen Hirscharten haben im Unterschied zum Rentier kein Geweih. Der Jäger nennt das weibliche Rotwild daher Kahlwild.[6] Die einzelne Hirschkuh heißt Hinde, weil sie keine "Hörner" hat. Indogermanisch kem- war ein 'Tier ohne Hörner', griechisch kemás 'junger Hirsch', das Kamel hat auch keine.[7] Aus kem-tís wurde germanisch hendhis 'Hinde'.[8] Auch da ist das Grundwort nicht mehr zu erkennen.

Das "stachellose" Tier gab der Himbeere ihren Namen, germanisch hendhi-basja(m), weil sie im Unterschied zur Brombeere nicht sticht. Dementsprechend heißt die Brombeere im Erzgebirge Hirschbeere.[9] Das ist aber eher eine nachträgliche Parallelbildung zur "Hindbeere".

 

 

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Echo Online

 

Datum: 05.09.2017

Aktuell: 31.08.2017