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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Nicht Fisch noch Fleisch

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Viele Gesetzesentwürfe sind weder Fisch noch Fleisch", wird behauptet, sie stehen nicht eindeutig auf der Seite der Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, der Umweltschützer oder Autoindustrie. Und können es auch gar nicht, denn sie müssen die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigen und können immer nur Kompromisse sein.

"Nicht Fisch noch Fleisch" ist seit dem 16. Jahrhundert im Deutschen und Englischen bezeugt, zuerst von Sonderlingen, Eigenbrötlern, die keiner Gruppierung angehörten.
Ein schönes Beispiel bringt Shakespeare: Da streitet sich ein Mann mit einer Frau und wirft ihr vor, sie sei eine Bestie. Sie ist nicht auf den Mund gefallen und fragt: "Was für ein Tier?" - "Ein Otter, weder Fisch noch Fleisch". Da geht's um Tierarten. Der Fischotter ist "Fleisch", ein Landtier, das im Wasser lebt.
[1]
 

Es gibt ja tatsächlich Übergangsformen zwischen Wasser- und Landwesen wie den Lungenfisch.[2] Aber in der Redensart geht's nicht um "Fisch und Tier", sondern um "Fisch und Fleisch", um Speisen: Nach mittelalterlicher und katholischer Ordnung ist an Abstinenztagen Fleisch verboten, aber Fisch erlaubt. Auch Shakespeares "Fischotter" setzt diese Speisegebote voraus, denn der Otter galt als "Fisch".[3]

An den Fasttagen muss keiner hungern. Eine sättigende Mahlzeit und zwei kleine Zwischenmahlzeiten sind erlaubt und Fisch liefert wie Fleisch das nötige Eiweiß. Wozu musste dann der Otter ebenfalls erlaubt werden?
Die heutige Ordnung der Tiere nach dem Körperbau geht zurück auf Carl von Linné (1708-78).
[4] Die ältere Einteilung nach Lebensraum galt noch um 1800.[5] Nach damaliger Meinung war der Otter ein Fisch. Er wurde nicht zum Fisch erklärt, um die Fastengebote zu umgehen.

 

[3] Die kath. Kirche unterscheidet Fasttage (weniger essen) und Abstinenztage (kein Fleisch): …, Quellen: nicht Fisch nicht Fleisch

 

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Datum: 03.10.2017

Aktuell: 16.02.2018